Lost in Translation III. Ist die Ameise schon fertig?

Gewiss, ich mache Fortschritte beim Erlernen der thailändischen Sprache. Beinahe verständlich und nahezu unfallfrei artikuliere ich mich durch meinen Alltag. Und oh Wunder, ich bekomme zumeist das gewünschte Essen, finde spielend leicht den richtigen Van und ernte als Antwort auf meine kargen Thai Sätze immer öfter ein Lächeln, so breit, offen und schön, da müssten  norddeutsche Kleinstädte ein ganzes Jahr für sammeln.

Doch diese ganz speziellen Ich-verstehe-nichts-Momente existieren unbestritten auch heute noch. Trotz aller Weiterentwicklung fühle ich mich dann plötzlich wieder wie Lothar Matthäus im Englisch LK oder wie Phillip Rösler auf einer Wahlparty der FDP…

Nach wie vor sind es diese minimalen Divergenzen der Tonhöhen, welche für die thailändische Sprache so fundamental wichtig und doch für meine Ohren so unsagbar schwer zu unterscheiden sind.

Ein wunderbares Exemplar der Gattung: ich denke ich kann Thai sprechen, doch ich rede und verstehe nur Quatsch, ereignete sich am letzten Wochenende. Ich verbrachte einen wunderbar erholsamen Sonntagnachmittag mit anstrengender, doch gleichsam belebender Gartenarbeit. Als die Dämmerung schließlich anbrach und ich immer noch dabei war, die Tomaten per aufmunternden Blicken zum Wachstum zu motivieren und den Chilli Pflanzen Namen zu geben, sagte der Vater meiner Freundin folgende Wörter: „mot leao“. Das Wort „mot“, betont man es „fallend“, heißt so viel wie fertig oder zu Ende. Der Zusatz „leao“ (schon) verstärkt die Aussage obendrein.

Dies war also ein aufmunternd gemeinter Hinweis seinerseits darauf, dass ich schon viel geackert hatte und jetzt genug der Arbeit sei. Ich missverstand jedoch den Sinn seiner Worte vollends und war der festen Überzeugung, er hätte das Wort „mot“ im mittleren Tonfall benutzt. Somit hätte er gesagt, dass SCHON AMEISEN da seien. Völlig panisch durchsuchte ich sowohl meinen frisch angelegten Gemüsegarten als auch alle Zimmer und verstand erst nach dreimaligen Nachfragen, den eigentlichen Sinn seiner Worte.

Nur einige Tage später stolperte auch mein derzeitiger Chef über die zweifache Bedeutung des Wortes „mot“, wodurch ich etwas erleichternd feststellen konnte, dass ich nicht der einzige Mensch bin, der mit dieser kryptischen Sprache seine Liebe Not hat.

Anlässlich seines Geburtstages spendierte ebenjener einige Kartons köstlicher Pizza. Als diese nach kurzer Zeit vollends verspiesen war, sagte eine meiner Kolleginnen, noch halb im kauen: „mot leao“. Verdutzt und innerlich den Lieferservice verklagend, begab sich der Chef auf die Suche nach den erwähnten Ameisen und wurde unter schallendem Gelächter über das Missverständnis aufgeklärt.

Ich hielt mich mit meinem Spot zurück, hatte ich doch ähnliche Situationen nur all zu oft selbst durchgestanden. Und eines war klar, „fertig“ und „Ameisen“ würden wir beide fürs Erste nicht mehr verwechseln.

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