Mc Donalds ist sch… Die Hongkong-Geschichte

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Die vorliegende Geschichte ist kaum appetitlich, für meine Wenigkeit hoch unangenehm und sollte nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit konsumiert werden. Dennoch muss sie erzählt werden, diese unvergessliche Episode, die den Anfang allen Übels und Vergnügens darstellt. Der kleine Unfall, der sich vor der Toilette einer Mc Donalds-Filiale im Herzen Hongkongs ereignete und der im Folgenden mitsamt seiner widerwärtigen Einzelheiten erörtert wird, bildete den Auftakt und ist eine Art Gründungsmythos für alle später folgenden Abenteuer in Asien.

Im Schatten des Hongkonger Geschichtsmuseums, nur wenige Stunden bevor der gesamte Mageninhalt von drei Tagen meine Beine hinabströmte, hatte ich den Entschluss gefasst, mich für das bald anstehende Praktikum bei unterschiedlichen Museen in Asien zu bewerben. Somit führt eine roter, ich bin geneigt zu sagen ein, brauner Faden, direkt von Hongkong nach Bangkok. Doch immer schön der Reihe nach.

Im Jahr 2007 absolvierte mein Cousin ein Auslandssemester auf Bali. Aus einer Schnapsidee, ihn dort zu besuchen, entwickelte sich ein konkreter Reiseplan, als auch seine Mutter, meine Tante sich für einen Besuch ihres Sohnes entschieden hatte und eine des Englischen einigermaßen mächtige Reisebegleitung suchte.

Als zweites Ziel neben Bali wählten wir Hongkong aus, wo wir einen kleinen Zwischenstopp einlegten. Nicht wissend, dass dieser Reise zahlreiche weitere Asienexpeditionen folgen würden, hatte ich mir eine Vorgabe gesetzt. Ich wollte spachteln, schlemmen, schlürfen, mir den Bauch vollschlagen, bis dass er platzen möge.

Zu exotisch, zu scharf, zu dreckig – nicht für mich. Ich hatte nur zwei Wochen und die wollte ich nutzen.

Diesem Vorsatz folgend verbrachte ich einen Großteil des dreitägigen Hongkong- Aufenthaltes damit, die Stadt auf ihre kulinarischen Genüsse hin abzusuchen und Hongkong hatte so einiges zu bieten.

Ich begann die Tage mit diversen köstlichen Backwaren, die spielend die Grenzen zwischen süß und salzig, scharf und sauer überwanden. Hierbei stellten Brötchen, gefüllt mit einem deftigen Würstchen, umgeben von einer Art Marmelade und süßem, gehackten Schweinefleisch noch die harmloseste Variante dar. Es folgten Restaurantbesuche, bei denen ich, da die Karte keine englische Übersetzung der Gerichte enthielt, mein Essen per Zufallsprinzip bestellte und ein Besuch auf einem Nachtmarkt, wo ich Bekanntschaft mit köstlichen Manti-Shrimps machte, deren Aussehen mich stark an die Alien-Filme erinnerte.

Zwei Tage überstand ich diese Völlerei ohne die Konsequenzen meiner Fresssucht tragen zu müssen. Weder beim Erklimmen der gigantischen Wolkenkratzer noch bei dem schweißtreibenden Abstieg vom Victoria-Peak machte mein Magen Probleme. Wir hatten den höchsten Berg von Hongkong Island nicht wie vom Reisführer empfohlen, mit der Peak Tram, sondern zu Fuß verlassen, obgleich zwei Hongkonger, die wir nach dem Weg gefragt hatten, energisch versuchten uns von diesem Plan abzuhalten. Diese etwa einstündige Wanderung, erwies sich in der Tat als höllisch anstrengend, jedoch belohnte uns die Aussicht über das Häusermeer und die glutrote, sich in der Victoria Bay spiegelnde Sonne für die Strapazen.

Am Morgen des dritten Tages verspürte ich ein kleines Grummeln in der Magengegend, welchem ich jedoch keine großartige Beachtung schenkte. Ich hatte noch einen vollen Tag in diesem kulinarischen Schmelztiegel vor mir und beabsichtige nicht, mir von meinem Bauch irgendwelche Vorschriften machen zu lassen.

Da wir uns in den ersten beiden Tagen hauptsächlich in den quirligen Gassen und den abstrus luxuriösen Einkaufszentren von Hongkong Island rumgetrieben hatten, planten wir den letzten Tag in Kowloon zu verbringen. Einem ausführlichen Frühstück folgte der Besuch des fantastischen historischen Museums. Im dortigen Restaurant gönnte ich mir dann fatalerweise einen Eiskaffee.

War dieser zunächst sehr erfrischend und wohlschmeckend, bereute ich diesen zweifelhaften Genuss kurze Zeit später. Denn der Kaffee setzte in meinem Inneren eine Reaktion in Gang.Gemeinsam mit den Mengen ungewohnten Essens, die ich in den vorigen Tagen vertilgt hatte, schien er sich gegen mich verbündet zu haben.

In meinem Magen vibrierte, krampfte und brummte es. Da braute sich etwas zusammen. Doch noch glaubte ich, es sei nur eine kurzzeitige Verstimmung, die sich durch einen kleinen Spaziergang schnell wieder legen könnte.

Oh ich leichtgläubiger, unwissender, törichter Narr.

Da das merkwürdige Gefühl in der Magengegend immer penetranter wurde, begann ich die Umgebung ein wenig auf mögliche Austrittgelegenheiten hin zu untersuchen. Eine öffentliche Toilette konnte ich nirgendwo entdecken, jedoch eine Mc Donalds Filiale, deren Standort ich mir als letzte Zufluchtsmöglichkeit ins Gedächtnis einhämmerte.

Etwa fünf Minuten später gelangten wir an einen kleinen Markt, dessen kulinarischen Köstlichkeiten mir schon von weitem entgegendampften. Just in diesem Moment verwandelte sich das hintergründige Grummeln in meinem Magen zu einem wahnwitzigen Trommelwirbel, der von stoßartigen, äußerst schmerzhaften Magenkrämpfen begleitet wurde.

Nun war klar, das Gemisch in meinem Inneren hatte sich zu einem explosionsartigen Gebräu verbunden und wollte meinen Körper verlassen und zwar schnell.

Für große Erklärungen blieb keine Zeit. Ich rief meiner Tante zu, ich müsste umgehend eine Toilette aufsuchen und würde es bei der Mc Donalds Filiale versuchen, die wir kurz zuvor passiert hatten. Ihr Gesicht sagte mir, dass sie meinen panisch, schreiend vorgebrachten Ausführungen nicht hatte folgen können, doch machte mir das Erdbeben in meinem Inneren unmissverständlich klar, dass ich darauf leider keine Rücksicht nehmen konnte.

Im Laufschritt machte ich mich in die Richtung auf, in welcher ich das besagte Schnellrestaurant vermutete. Diese Fortbewegungsart hatte einen Vorteil – ich näherte mich meinem Ziel mit erhöhter Geschwindigkeit, bald konnte ich das goldene M der Erlösung bereits erblicken. Der Nachteil des Laufens bestand jedoch darin, dass auch mein Mageninhalt fortwährend bewegt und durchgeschüttelt wurde.

Die Waschmaschine in meinem Inneren wurde in den Schleudergang umgeschaltet.

Keine Frage, lange konnte ich der kochenden Brühe den Austritt nicht mehr verwehren. Doch die Erlösung kam näher. Noch 100 Meter. 50 Meter. Noch 20. Schön Arsch und Augen zu und zum Sprint ansetzen. Geschafft, die amerikanische Systemspielunke war erreicht.

Wo die Toilette? Ah, da ein Schild. Treppe runter. Tür auf, ab in die Kabine und dann endlich die Erlösung.

Nichts da!

Die Mc Donaldsche Toilette verfügte über ein Waschbecken drei Pissoirs und zwei Kabinen, die leider besetzt waren. Nun stand ich zweifelnd, zögernd zaudernd zwischen den Kabinen und den Pissbecken und ging im Geiste in rasendem Tempo meine Option durch.

In meinem Darm herrschte Überdruck, akute Explosionsgefahr, Tschernobyl ein Witz dagegen.

Also was tun?

Hose runter und im Urinal entleeren? Aber das Ding würde überlaufen wie einst die Oder, bei der Menge, die ich in den letzten Tagen verspiesen hatte.

Das Waschbecken, eine denkbare Alternative! Aber wie den Hintern dort hochbekommen? Gibt es einen Mülleimer? Wann wird denn bitte endlich eine verdammte Kabine frei???

Plötzlich, ein wunderbares Geräusch. Hinter einer der beiden Türen war die Spülung betätigt worden. Welch ein Glücksgefühl.

Doch zu früh gefreut.

Mein Körpereigenes Schleusensystem muss das akustische Signal falsch gedeutet haben und begann mit dem Fluten. Ich konnte nichts dagegen tun, es nicht aufhalten, nicht stoppen.

Als hätte sich ein unsichtbarer Stöpsel gelöst, schoss eine warme Fontäne aus meinem Hintern. Und da schoss so einiges.

Die Boxershorts reichte als Auffangbecken nicht mehr aus und der Dreck begann warm und flüssig meine Beine hinabzugleiten. Mir blieb nichts anderes übrig als mich meinem Schicksal zu ergeben, einfach laufen lassen.

Gerade als die körpereigene Schlammpackung begonnen hatte meine Füße zu wärmen, öffnete sich eine Tür und ich stand vor einer umbesetzen Toilette. Welch Erlösung wäre der Anblick zwanzig Sekunden zuvor gewesen – welch Hohn und Spott war er jetzt.

Egal, nun hatte ich den Schlamassel, steckte tief in der Scheiße, treffender gesagt, war ich von dieser von der Hüfte abwärts eingerieben. Aber es half ja nichts. Ich begann das Ausmaß der Katastrophe auszuloten, meine Wunden zu lecken (eine sehr unpassende Formulierung, ich weiß) und entkleidete mich langsam.

Das war jedoch gar nicht so einfach, da meine Jeans sich mit der braunen Brühe so vollgesogen hatte, dass ich sie nur Zentimeter für Zentimeter von meiner Haut schälen konnte.

Irgendwann hatte ich es geschafft. Nun stand ich nackt, eingesaut und völlig verzweifelt vor meinen verdreckten Klamotten.

Socken und Boxershorts waren verloren, die Hose sah von der Vorderseite recht passabel aus, die Rückseite hingegen war nun an den Beinen und in der Hinterngegend mit einem verräterischen braun kariertem Muster überzogen.

Als nächstes beschloss ich meinen vollgeschmierten Körper notdürftig zu reinigen. Leider war die Toilettenkabine für dieses Unterfangen nicht sonderlich gut ausgerüstet. Die Halterung für das Klopapier war verwaist und der für die Pohygiene äußerst hilfreiche Wasserschlauch, der zumindest in thailändischen Toiletten obligatorisch ist, war ebenfalls nirgends zu finden.

Im Vorraum lockten saubere Waschbecken und Papiertücher, doch wie sollte ich dort hingelangen? Meine Hose und Boxershorts waren braun und nass und völlig unbekleidet wollte ich diese Kabine nur ungern verlassen. Denn draußen würde ich nicht allein sein. Ein kontinuierlicher Geräuschpegel, bestehend aus laufendem Wasser und dröhnendem Handtrockner war ein unmissverständlicher Hinweis auf andere Toilettenbenutzer und auf Gesellschaft legte ich in meinem Zustand nun wahrlich keinen sonderlichen Wert.

Nein, ich musste die Reinigung vor Ort, mit den mir zu Verfügung stehenden Hilfsmitteln vornehmen, eine andere Möglichkeit war ausgeschlossen. Folgende Utensilien konnte ich für meine Säuberung verwenden: Zwei Flyer aus Pappe, mehrere Quittungen, die sich in den letzten Tagen in meinem Portmonee angesammelt hatten sowie das Spülwasser der Toilette, dessen stark chemischen Geruch ich als ein Versprechen völliger Keimfreiheit interpretierte.

Der langsam trocknende Kot ließ sich nur unter starkem Krafteinsatz und wiederholtem hin und her reiben entfernen.

Das Papier der Quittungen war zu dünn, riss ständig und begann sich aufzulösen, die Pappe der Flyer war stabiler, jedoch ein Reinigungsmittel der rustikaleren Art. Dort wo ich meine Haut vom Braun des Stuhls befreit hatte, schimmerte sie Erdbeerrot und schmerzte dementsprechend.

Während ich auf diese etwas abenteuerliche Art und Weise versuchte, mich notdürftig zu säubern, schwirrte mir, warum auch immer, fortwährend eine Zahl im Kopf herum.

Siebenmillionen Siebenundneunzigtausend Sechshundert, Siebenmillionen Siebenundneunzigtausend Sechshundert, Siebenmillionen Siebenundneunzigtausend Sechshundert!!!

So viele Menschen lebten aktuell in Hongkong. Die Zahl hatte ich dem Reiseführer entnommen und offenbar behalten

SiebenmillionenSiebenundneunzigtausendSechshundert Menschen lebten in dieser Stadt und ihnen allen würden mein Missgeschick auffallen. Sie würden mich mit vollgeschissener Hose sehen, angewidert und voller Verachtung mit dem Kopf schütteln.

Alle auf einmal!

Sobald ich wieder einigermaßen sauber war, zumindest kotfrei, plante ich die nächsten Schritte heraus aus meinem Schlamassel.

Ein Problem bestand weiterhin und konnte stationär, mit Flyern und Spülwasser nicht behoben werden. Die Hose war auf ihrer Rückseite so vollgesaut, dass ich mir nicht ernsthaft vorstellen konnte, mich hiermit auf die Straße zu bewegen, geschweige denn mit der U-Bahn zurück ins Hotel zu fahren.

Was würden die Siebenmillionen Hongkonger dazu bloß sagen? Unvorstellbar.

Plötzlich erinnerte ich mich meiner Tante, die inzwischen seit etwa zwanzig Minuten, nichtsahnend von meinem Unglück, auf mich wartete. Zum Markt zurückgehen, mit dieser Hose, nicht machbar. Sie anrufen? Eventuell sehr teuer aber immerhin eine Möglichkeit.

Mein Telefon hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt in Asien noch nicht benutzt und war somit nicht sicher, ob mein Gerät und das meiner Tante hier überhaupt funktionieren würden.

Die enormen Kosten, welche die Telekom mir später für diesen Anruf berechnen würde, ignorierend, wählte ich ihre Nummer. Leise, verrauscht und kaum hörbar erklang die Stimme meiner Tante.

Laut schreiend schilderte ich ihr meine Lage. Leider schien sie bis auf Mc Donalds nichts verstanden zu haben. So schrie sie wiederum, dass sie dort hinkommen würde.

Um meiner Tante nicht mit blankem Penis gegenüberzutreten, zwängte und quälte ich mich zurück in meine Hose.

Die Soße war inzwischen trocken oder von mir so sehr in den Stoff hineingerieben worden, dass ich sie nicht mehr spürte.Zusätzlich lehnte ich mich lässig an eine Wand im Vorraum der Toilette, um die brauen Flecken zu verbergen.

Unter den erschrockenen Blicken meiner Toilettenkumpels tauchte keine fünf Minuten später meine Tante in der Herrentoilette auf.

Ich schilderte ihr die Vorkommnisse, die missliche Lage, in der ich mich befand und bat sie irgendwo eine neue Hose für mich aufzutreiben.

Während ich wieder zurück in meiner schützenden Kabine auf die Rückkehr meiner Tante wartete, gab ich mich voller Selbsthass trüben Gedanken hin, in denen auch die Siebenmillionen Hongkonger wieder eine entscheidende Rolle spielten.

Wiederum fünfzehn Minuten später war meine Tante vom Markt zurück, in ihren Händen die Erlösung – eine schwarze Hochwasserhose!

Ich entsorgte meine Jeans, Boxershorts nebst Socken, schlüpfte in das Beinkleid und verließ als neuer Mensch das Schnellrestaurant.

Obgleich mir meine Tante versicherte, dass sie absolut nichts riechen würde, fühlte ich mich auf dem Rückweg ins Hotel wie ein menschliches Klärwerk. Erst die Dusche im Hotelzimmer sorgte dafür, dass ich mich wieder einigermaßen wohl in meiner Haut fühlte.

Der rettenden Hose habe ich in meinem Kleiderschrank einen Ehrenplatz eingeräumt. Sie ist weder kleidend noch wahnsinnig modisch, daher habe ich sie seit der Hongkongreise nur sehr selten getragen.

Gelegentlich nehme ich sie jedoch aus meinem Schrank, streiche liebevoll über den billigen Kunststoff und bedanke mich bei ihr, dass sie mich davor bewahrt hat, mit blankem Hintern durch Hongkong zu rennen.

Inzwischen ist die „Hongkong Geschichte“ fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses meines engeren Freundes- und Familienkreises geworden. Als säßen wir vor einem Lagerfeuer und ich erzählte Schwänke aus meiner Jugend, werde ich immer wieder aufgefordert, doch noch mal zu erzählen, wie das damals so war in Hongkong mit mir, Mc Donalds und meinem Darm.

Zugleich fungieren die Schilderungen meines kleinen, übelriechenden Fauxpas auch als Zungenlöser und Türöffner. Es ist so eine Sache mit den Scheißgeschichten: Jedem passiert so etwas – keiner möchte drüber reden, doch wehe das Schweigen wird gebrochen.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass, sobald ich meinem Gegenüber von meinem Fäkalerlebnis berichtet habe, es aus ihm oder ihr herausbricht wie aus mir, einst in Kowloon.

Das Hören meiner Kackgeschichte lockert bei vielen einen inneren Spamfilter.

Ich habe mich ihnen offenbart, so wollen auch sie mir ihr dunkelstes Geheimnis erzählen.

Ohne dies weiter beabsichtigt zu haben, bin ich auf diese Weise in den „Genuss“ der unterschiedlichsten Scheißgeschichten gekommen. Das ist selten appetitlich, doch stets hochgradig unterhaltsam.

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