Little Crab. Bratkartoffeln, Solei und Schnitzel

Auf der Insel Koh Tao spielen sich merkwürdige Dinge ab. Unweit des Hafens, in einem unscheinbaren blauen Gebäude, in einem kleinen Restaurant verbirgt sich ein Raum-Zeit Portal.

Der fabelhafte Eiersalat, das nicht minder gute Solei und das köstliche Jägerschnitzel katapultierten mich, kaum war der erste Bissen in meinem Mund verschwunden, geradewegs in das Deutschland meiner Kindheit zurück. Die Gerichte waren so lecker, so authentisch, dass ich bei einem Toilettengang kurz einen Blick in die Küche warf und nachsah, ob sich dort nicht meine Großmutter versteckte und mir einen kleinen Streich spielte.

Ich liebe die thailändische Küche und ich bin nun wirklich kein Mensch, der auf einer Reise in Südostasien deutsches Essen vermisst. Dennoch traf mich der Geschmack dieser Gerichte mitten ins Mark und ließ vor meinem geistigen Auge längst verblasste Kindheitserinnerungen wieder aufleben.

Auch die Frikadellen und die Bratkartoffeln, die Ralf, der Inhaber dieses Restaurants, mit voller Hingabe selbst zubereitet, sind sehr delikat. Darüber hinaus ist mir der weniger typisch deutsche, aber nicht minder köstliche Apfel Chili Dip nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Sollte es jemanden mal auf diese Insel verschlagen, dann empfehle ich einen Besuch dieses Ladens. Gutes Essen und eine kleine Zeitreise sind garantiert.

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Viel Flügel, viel Kopf aber wenig Geschmack!

Anders als es uns RTL II-Reportagen glauben machen wollen, wimmelt es in Bangkok nicht an jeder Ecke von Händlern, die einem die wildesten Insekten schmackhaft machen wollen. Auch ernähren sich die Thais nicht auschließlich von Schlangenblut und Skorpionen und bevorzugen zum Bier eher Pommes als Heuschreckenbeine.

Dennoch gibt es sie sehr wohl, kleine mobile Insektenverkäufer, die durch Bangkoks Straßen ziehen und Maden, Heuschrecken und Käfer anbieten. Diese sind für viele Thais Delikatessen, die nicht bei jedem täglich auf dem Speiseplan stehen, aber dennoch ihre Liebhaber haben.

Da ich mich, vor allem wenn es ums Essen geht, als eher aufgeschlossen und offen für Neues bezeichnen würden, wollte ich mir diese „Köstlichkeit“ auf keinen Fall entgehen lassen. Für den Anfang empfahlen mir Freunde Heuschrecken zu probieren, da diese im Gegensatz zu anderen Insekten relativ neutral im Geschmack seien. Ich musste allerdings einige Zeit suchen, bis ich endlich so einen Insektenwagen zu Gesicht bekam und meine Bestellung drei mal wiederholen, bis der Verkäufer endlich verstand, dass ich wirklich etwas kaufen und nicht nur angeekelt Fotos machen wollte, wie er das von den meisten Touristen gewohnt war.

Als sich die Heuschrecken schließlich auf meinem Teller befanden, war ich mir meiner Sache nicht mehr ganz so sicher. Die Biester waren deutlich größer, als sie mir auf dem Wagen noch erschienen waren. Alleine der Kopf hatte die Größe meines Daumennagels und der restliche Körper war gut und gerne fünf Zentimeter lang. Darüber hinaus waren sie überhaupt nicht bearbeitet und wiesen immer noch all die Merkmale auf, die so eine normale Heuschrecke normalerweise ausmachen. Stachlige Fühler, lange Beine, riesige Flügel und zwei große schwarze Augen, die mich traurig anblickten. Wären sie grün gewesen und nicht knusprig braun und hätten sie einen Hut auf gehabt, man könnte meinen Flip von Biene Maja hätte sich auf meinen Teller verirrt.

Ich nahm noch einen kräftigen Schluck Bier um mir Mut anzutrinken und die Geschmacksnerven zu betäuben und steckte mir ein kleineres Exemplar in den Rachen. Ich musste ordentlich kauen, bis ich das Insekt einigermaßen schluckgerecht zerkleinert hatte. Dabei stellte ich fest, dass die Viecher gar nicht mal schlecht schmeckten. Sie waren so in Sojasoße getunkt und knusprig angebraten, dass von ihrem ursprünglichen Geschmack nicht allzu viel übrig zu blieben schien. Nach kurzer Zeit hatte ich mich auch an die Konsistenz gewöhnt und hätte dem ganzen durchaus etwas abgewinnen können, wenn mich nicht andauernd Flips Augen so vorwurfsvoll angeschaut hätten.

Frosch to go

Ein kleines Restaurant um die Ecke serviert nicht nur ausgezeichnete Salate und Suppen sondern, wie ich heute feststellen konnte, auch delikaten Frosch.

Ich hatte bereits ein mal zuvor Frosch probiert, welcher aber so mit teuflisch scharfer Chillipaste präpariert war, dass ich bei all dem Brennen auf meiner Zunge kaum etwas schmecken konnte.

Das war glücklicherweise bei diesem Exemplar anders. Dieser Frosch war nur mit Knoblauch, Fischsoße und einem Hauch Chilli gewürzt und schmeckte köstlich.

Schnitzel und Spätzle

Schon einige Male hatten thailändische Freunde mich zu sich nach Hause eingeladen und dort eine ganze Reihe von Köstlichkeiten aufgetischt.

Um mich hierfür ein wenig zu revanchieren und um deutscher Hausmannskost in Südostasien zu größerer Popularität zu verhelfen, bot ich an, selbst die Kochlöffel und Pfannen schwingen zu lassen.

Nach einigen Scherzen über drohende Bauchschmerzen und Angebote, für eine gewisse Summe Bestechungsgeld, jede meiner Speisen köstlich zu finden, wurde mein Vorschlag dankend angenommen. Sie waren sehr gespannt, was das wohl sein könnte „deutsches Essen“.

Eine Idee für mein „Menu“ hatte sich schnell gefunden. Ein knuspriges paniertes Schnitzel, mit einer deftigen Pilzrahmsoße und Spätzle, als Beilage sollte es sein.

In der Theorie klang das durchaus machbar. In der Praxis, sprich im Supermarkt, musste ich leider feststellen, dass die Zutaten für thailändische Verhältnisse äußerst exotisch und somit sehr schwer zu bekommen waren.

Erst, nachdem ich die Feinkostabteilungen von drei Supermärkten durchsucht hatte, war ich schließlich fündig geworden und hatte alles beisammen. Jedoch hatte ich dabei die teuerste Sahne meines Lebens gekauft.

In thailändischen Supermärkten europäische Alltagsartikel wie Käse, Champignons oder eben Sahne zu bekommen, ist ein eher schwieriges und kostspieliges Unterfangen. In etwa so kompliziert wie in Deutschland eine gelbe und reife Mango zu bekommen und dabei weniger als zwei Euro zu bezahlen.

Im Haus meiner Freunde angekommen, begann ich recht rasch mit dem Kochen. Schließlich hatte ich mir einiges vorgenommen und war mit den Örtlichkeiten noch nicht vertraut. Die „Open-Air-Küche“ beispielsweise, stellte ein neue Herausforderung für mich dar. Zwar ermöglichte sie einen schönen wunderschönen Ausblick auf Palmen und Reisfelder, jedoch begleitete mich auch ein sich nicht ganz verziehendes Gefühl der Angst, da sich in dem Dschungel vor meinem Augen nachweislich einige Schlangen und Warane tummelten. Erst eine Woche zuvor hatte sich eine, den Schilderungen meiner Freunde nach, riesige Schlange ein Katzenjunges geschnappt und vor den Augen meiner hilflosen Freunde verspiesen.

Mich ließ dieses Ungeheuer aber glücklicherweise in Ruhe meine Arbeit machen. Dabei begleiteten mich stets mindestens fünf bis acht neugierige Augenpaare, die aus sicherem Abstand beobachteten, was ich da in ihrer Küche so fabrizierte.

Nach etwa zwei Stunden schweißtreibender Arbeit hatte ich mein Werk vollbracht und etwas auf die Teller gezaubert, dass in etwa an das erinnerte, was ich ursprünglich geplant hatte zu kochen.

Zu Tisch wurden meine Speisen erst ein wenig misstrauisch beäugt, dann ganz vorsichtig probiert und letztendlich innerhalb von fünfzehn Minuten komplett aufgefuttert.

Ich war ein wenig erschöpft, jedoch sehr glücklich, dass meine Mission geglückt war. Nun, da meine Schnitzel aufgegessen und die Thais satt waren, konnte ich mich in aller Ruhe ihren köstlichen Salaten widmen.

Das Restaurant zur neugierigen Katze

Nicht weit von meinem Apartment entfernt, befindet sich ein kleines und unscheinbares Restaurant. Das Ambiente erinnert, mit seinen Plastikstühlen und den Raufasertapetenwänden, ein wenig an einen deutschen Hobbykeller. Hinzu kommt, die heimliche Herrin des Hauses, eine sehr neugierige und offensichtlich ständig hungrige Katze. Diese sitzt meist im zweiten Stock des Hauses, streckt alle zwei Minuten ihren Kopf durch einen kleinen Spalt ins innere des Restaurants und gibt dabei herzzerreißende Geräusche von sich.

Das Essen ist aber so weit von einem deutschen Hobbykeller entfernt, wie die europäischen Länder von einem ausgeglichenem Haushalt! Feinste sauer-scharfe Fisch- und Fleischsalate, köstliche Meeresfrüchte und als Höhepunkt eine Suppe, serviert in einem Tontopf, die selbständig weiter gekocht und verfeinert werden kann.

Punjabi Sweets!


Pahurat ist ein kleines Viertel, das in der Nähe des Chao Praya Flusses liegt und von dem deutlich größerem Chinatown umgeben ist. Aufgrund der überwiegend indischen Geschäfte in dieser Gegend, wird das Viertel auch „little India“ genannt. Hier schlängeln sich viele quirlige, kleine Gassen aneinander, in denen vor allem Textilien und Gewürze angeboten werden. Auch einige vortreffliche indische Restaurants sind hier versteckt.

Wenn ich mich durch die engen Gänge und an den unzähligen Stoffgeschäften, mit ihren zum Teil sehr farbenfrohen und kitschigen Waren vorbeigeschwitzt habe, besuche ich immer wieder gerne das kleine, aber wirklich hervorragende Punjabi Sweets.

Dieses vegetarische Restaurant, das überwiegend südindische Speisen serviert, ist vor allem für seine unverschämt guten Süßigkeiten bekannt. Diese sind in einer Glasvitrine am Eingang des Restaurants aufbewahrt und mein erster Anlaufpunkt, sobald ich den Laden betreten habe. Ohne genaue Namen und Inhaltsstoffe dieser Köstlichkeiten zu kennen, zeige ich hier immer gerne auf diejenigen Stücke, die mir am verführerischsten erscheinen und lasse mir so eine Auswahl zusammenstellen. Diese Strategie hat mich bisher jedes mal zufriedengestellt und meinen Magen mit süßem Käse und von Honig triefenden Teigbällchen verwöhnt.

Das optimale Getränk zu diesen Schweinereien ist ein „special Tea“, der nur mit Milch aufgebrüht wird und nachdem er von Seiner Haut befreit worden ist, hervorragend schmeckt.

Selbstverständlich sind auch die deftigen Speisen hier lecker, aber das Besondere und das, was mich immer wieder hierhin zieht verbirgt sich irgendwo in diesen tierisch süßen und unfassbar guten Kleinigkeiten.

Es brennt!

Ich hätte mich zufrieden geben sollen mit dem was ich hatte. Ich hätte nicht auf mein Recht bestehen sollen, dass zu einem Salat mit Krebsfleisch auch Krebsfleisch gehört. Stattdessen hätte ich mich an Minze, Koriander, Frühlingszwiebeln, Tomaten und Erdnüssen, die in einer Soße aus Limettensaft, Zucker und Chili schwammen, erfreuen sollen.

Doch was tat ich, in bester deutscher Beschwerdemanier, als wenn ich gerade einen Engländer auf meiner durch ein Handtuch reservierten Liege erwischt oder statt einem Sandstrand lediglich eine karge Baustelle vor meinem Hotelfenster vorgefunden hätte? Ich wies die, bis zu diesem Zeitpunkt, sehr nette und zuvorkommende Dame des Salatstandes darauf  hin, dass ich doch einen Salat mit Krebsfleisch bestellt hatte, sich dieses aber nicht auf meinem Teller befände.

Das war ein großer Fehler. Jetzt hatte ich den Salat. Zwar nun mit Krebs wie bestellt,  aber auch mit der gefühlten zehnfachen Menge an Chilischoten angereichert. Die hatte, die nun nicht mehr so nette Dame, sichtlich genervt, in die Schüssel geworfen, in der sie mein Krebsfleisch zubereitete. „Wenn der Typ unbedingt Krebse haben möchte, soll er die auch bekommen. Krebsrot soll sein Kopf werden, wenn er diesen Salat genießt“, mag sie sich dabei gedacht haben. Zumindest bildete ich mir das ein.

Denn nun, da ich voller Hochgefühl ob meines Bestehens auf die Meeresfrucht, den Salat probiert hatte, spielte sich in meinem Mund etwas ab, das sich in etwa anfühlte wie ein mittelschwerer Vulkanausbruch. Glühend heißes Magma breitete sich in meiner Mundhöhle aus und hinterließ nur verkohltes Fleisch. Ein Mundgefühl wie ein Kohleofen. Es war die Hölle. Sprichwörtlich.

Verzweifelt schüttete ich mir Wasser in den Rachen. Zwar wusste ich, dass dieses den Schmerz nur verteilen und allenfalls eine kurzfristige Linderung bringen würde, nur war mir das in diesem Moment wirklich egal. Leider schien das Wasser auf meiner glühend heißen Zunge zu verdampfen. So schob ich mir so viele Eiswürfel in den Mund wie dort nur Platz fanden. Ich füllte mich wie ein Hamster beim herbstlichen Nüsse sammeln. Das sah bestimmt ziemlich dämlich, aus, darauf  konnte ich aber wahrlich keine Rücksicht nehmen.

Schließlich ließ ich mein so bitterlich bereutes Krebsfleisch samt Salat zurück und begab mich auf die Suche nach etwas, nur von Fett so triefendes, um damit den Brand in meinem Rachen bändigen zu können. Aus dem Augenwinkel sah ich noch einmal die Verkäuferin und bildete mir ein, ein diabolisches Lächeln erkennen zu können.