Ein Zug fällt aus

Ein Zug fällt aus. Irgendwo in Deutschland. Keine Informationen, keine Erklärung, Panik.

Es dauert keine 10 Minuten und rund um den Informationsschalter der deutschen Bahn hat sich ein wütender Mob gebildet. Sie fragen, fordern, schreien und die hilflosen weil ahnungslosen Bahnmitarbeiter*innen ertrinken förmlich in einem Strom an Vorwürfen. 

Doch alles Wüten und Toben nützt nichts. Die Strecke ist gesperrt und bleibt es auch weiterhin. Bis wann? Das weiß keiner. Am wenigsten die arme Frau in der Schalterkabine. 

Langsam realisieren, die Wartbürger, dass auch die wüsteste Beschimpfung sie in ihrer derzeitigen Lage nicht weiterbringen wird. Also schlagen sie in Sichtweite des DB-Schalters ihr Lager auf und beginnen selten nützliche und häufige unnütze Informationen miteinander auszutauschen.

Einige berichten davon, dass angeblich schon ein Schienenersatzbus auf dem Weg sei. Andere nutzen die Gelegenheit, sich einmal gründlich über Gott und die Bahn zu beschweren. Ich halte diese stumpfen Gesprächsschleifen nicht mehr aus und entferne mich von der Gruppe der Gestrandeten.

Als ich etwa 30 Minuten später nochmal an dem Schalter und den wütend Wartenden vorbei komme, entdecke ich, dass sich vor dem Mob eine Gruppe örtlicher Zeugen Jehovas aufgebaut hat und freundlich lächelnd ihr Propagandamatetial anbietet. Die hoffen wohl darauf, ein paar ganz Verzweifelte abgreifen zu können. 

Zwei Stunden später sitze ich wieder im Zug. Die Sonne scheint, ich fahre Richtung Meer. Deutlich verspätet aber: Mai pen rai.

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