Koh Kradat. Sonne, Strand und Bambi

Koh Kradat ist eine eher kleine Insel im östlichen Golf von Thailand. Ihren Namen, der im thailändischen Papier bedeutet, verdankt die Insel ihrer außergewöhnlich flachen Oberfläche. Während sich auf den Nachbarinseln zum Teil massive Gebirge erheben, verbleibt die Erde auf Koh Kradat zumeist ebenerdig, einige Meter über der Meeresoberfläche. In ihrer unmittelbaren Umgebung befinden sich die weitaus größeren Inseln Koh Mak, Koh Kut und Koh Chang, von der Ostseite sind zudem in der Ferne die Berge des kambodschanischen Festlandes auszumachen.

Trotz ihrer geringen Größe, kaum zwei Quadratkilometer, ist die Landschaft Koh Kradats ausgesprochen vielschichtig. Entlang der West- und Südküste erstrecken sich goldgelbe Strände, hinter denen hohe Palmen aufragen. Auf der Nord- und Ostseite hingegen sind die Sandstrände von Mangrovenwäldern und Gesteinsformationen unterbrochen, deren Form und Farbe auf vulkanischen Ursprung schließen lassen.

Einst war die Insel ein bevorzugtes Reiseziel des thailändischen Königs Chulalongkorn (Rama V), der hier einen Teil seiner freien Zeit verbrachte, zur Jagd ging sowie fleißig Tagebuch führte. An einem besonders schönen Strand, auf der Westseite der Insel, pflegte er sein Abendessen zu sich zu nehmen und mit Blick auf die Nachbarinsel Koh Mak den Sonnenuntergang zu verfolgen. Im Laufe der Zeit war ihm die Insel so sehr ans Herz gewachsen, dass er sie einem seiner Söhne vermachte, seinem siebzehnten.

Mit den Jahren wechselten die Besitzer der Insel mehrmals und mit ihren Bewohnern, veränderte sich auch ihre Flora und Fauna. Die unzähligen hochgewachsen Kokospalmen, die heute einen Großteil der Insel bewachsen, sind Überreste der Palmenplantage, die vorige Besitzer hier einst errichteten, nach einigen Jahren jedoch wieder aufgaben. Ihnen folgte eine Familie, die sich dauerhaft auf der Insel niederlassen wollte. Um auf der abgeschiedenen Insel nicht zu sehr zu verseinsamen, nahmen sie sich Haustiere mit, vier Exemplare einer asiatischen Reh Art. Im Gegensatz zu jener Familie blieben die Rehe auf der Insel und vermehrten sich, in Abwesenheit der Menschen oder sonstiger natürlicher Feinde, zahlreich. Heute sind sie auf der ganzen Insel verbreitet und bescheren Koh Kradat eine ungewöhnliche Attraktion, die keine ihrer Nachbarinseln zu bieten hat.

Bei den derzeitigen Bewohnern handelt es sich um eine etwa zwanzigköpfige Familie, die vor 45 Jahren auf die Insel zog und einen kleinen Teil im Norden der Insel bewohnt. Anders als ihre Vorgänger beschloss sie die Insel auch für Touristen zugänglich zu machen und errichtete einige einfache Bungalows, die etwa dreißig Besuchern Unterkunft bieten. Jedoch öffnet die Insel ihre Pforten für Touristen lediglich am Wochenende oder in Ausnahmefällen nach Vereinbarung. Während der Regenmonate Mai bis November, wenn das Wetter zu ungemütlich, die See für das kleine Boot, welches die Touristen von der Anlegestation auf dem Festland zur Insel transportiert, zu stürmisch ist, beherbergt die Familie nur in Ausnahmefällen Besucher. In dieser Zeit konzentrieren sich die Bewohner wieder ausschließlich auf die Unterhaltung der Palmenplantage sowie die Fischerei.

Während die bereits angesprochenen Rehe inzwischen in so großer Zahl vorhanden sind, dass es ein leichtes ist sie aufzuspüren, sucht man Autos auf Koh Kradat ebenso vergeblich wie asphaltierte Straßen. Bei den einzigen Transportmitteln handelt es sich um zwei Fahrräder, ein Motorrad sowie einen Traktor, der, einen Anhänger hinter sich herziehend, die Touristen zu den verschiedenen Orten auf der Insel transportiert. Der Strom, den ein Generator erzeugt, wird nur in den Abendstunden eingeschaltet. Nur an den Wochenenden, wenn Touristen auf der Insel verweilen, steht der Strom die ganze Nacht über zur Verfügung.

Obgleich die Insel nicht mit den Luxusferienanlagen seiner Nachbarinseln aufwarten kann, es keine Naturschauspiele wie Wasserfälle oder tropischen Regenwald zu besichtigen gibt und andere Inseln möglicherweise die breiteren Strände und blaueren Buchten zu bieten haben, ist die Insel in jedem Fall eine Reise wert. Ihre Abgeschiedenheit, ihre naturbelassene, teils rustikale Landschaft verleihen der Insel einen ganz besonderen Charme. Hinzu kommen die ausgesprochen liebenswerten und zuvorkommenden Bewohner, die sehr an ihrer Papierinsel hängen und sich von Herzen darüber freuen, wenn Besucher ihre Zuneigung zu ihrem zu Hause teilen.

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