Der Jahrtausendsturz – 50 Jahre Ausgrabungen von Ban Chiang

Wir schreiben das Jahr 1966. Steve Young, Sohn des ehemaligen Botschafters der USA in Thailand besucht das kleine Dorf Ban Chiang im Nordosten des Landes. Ziel seines Aufenthaltes ist es Interviews für eine anthropologische Forschungsarbeit an der Harvard Universität mit den Dorfbewohnern durchzuführen. Die Wahl Ban Chiangs – reiner Zufall. Ein jesuitischer Pfarrer hatte ihm diesen Ort empfohlen, weil er dort ein aufgeschlossenes Ehepaar kannte, das gerade ein neues Haus mit einem leerstehendem Raum gebaut hatte.

Eines Tages auf einem Rundgang durch das Dorf, gedankenverloren mit seinem Gastgeber plaudernd, unterläuft Steve Young ein folgenschweres, ein historisches Missgeschick. Er stolpert über die Wurzeln eines Kapokbaumes und landet mit seinem Gesicht im Dreck. Als er seine Augen öffnet, sich etwas Dreck aus dem Gesicht gewischt hat, entdeckt er direkt unter sich das Muster einer Tonscherbe. Plötzlich, für einen winzigen Augenblick, scheint die Zeit stehen zu bleiben. Wie in Zeitlupe analysiert er die Szenerie. Er erkennt, dass die Scherbe keine Lackierung aufweist, was auf ein hohes Alter des Fundes schließen lässt. Gleichzeitig entdeckt er vor seinen Augen viele Unebenheiten im feuchten Boden, die möglicherweise ebenso Fundstücke aus einer früheren Epoche verbergen könnten. Schließlich fällt sein Blick auf eine Gruppe von Kindern, die etwa zehn Meter von ihm entfernt spielen, sie brechen etwas ab, möglicherweise von einem Stein und werfen es gegen eine Mauer. Beim Näherkommen sieht er, dass auch die Kinder Überreste von Keramiken gefunden haben.

Steve Young entscheidet sich einige Stücke mit zurück nach Bangkok zu nehmen und von Experten untersuchen zu lassen. Der Rest ist Geschichte. Die Objekte werden als eminent wertvoll eingeschätzt und führen zu wiederholten umfangreichen archäologischen Ausgrabungen in Ban Chiang, bei denen unzählige Objekte der frühen Bronzezeit entdeckt werden, die bahnbrechende Erkenntnisse über frühe Zivilisationen Südostasien hervorbringen. In der Folge kommt es auch zu wilden Ausgrabungen und Plünderungen, bei denen viele einzigartige Objekte für immer verloren gehen. Später wird inmitten des Dorfes ein Museum errichtet, in welchem viele Objekte ausgestellt und die einzigartige Geschichte der Entdeckung dieses Ortes erzählt wird. Schließlich – im Jahr 1992 – wird Ban Chiang zum UNESCO Welt Kulturerbe erklärt. Der Ort wird zu einem Symbol der Frühgeschichte und zu einem Mythos der Archäologie in Thailand.

Im Mai 2016, 50 Jahre nach seiner folgenschweren Entdeckung, steht Steve Young auf der Bühne eines großen Konferenzraumes in einem Hotel in Udon Thani. Er ist der Ehrengast einer internationalen Konferenz zum 50. Jubiläum der Funde von Ban Chiang. Mithilfe einiger historischer Fotos erläutert Young, wie er seinerzeit durch eine Unachtsamkeit ein Tor durch die Zeit und den Zugang zu einer längst vergangenen Zivilisation entdeckte. Zwar ist einige Fantasie von Nöten, um in dem ergrauten Herrn auf der Bühne den stattlichen jungen Mann auf den Fotos wiederzuerkennen, doch ein Blick in seine Augen zeigt die Bedeutung, die dieser Tag und diese Episode seines Lebens für ihn besitzen. In seiner Stimme schwingen Demut und Stolz zugleich mit, während er von seinem Jahrtausendfund berichtet.

Am letzten Tag der Konferenz machen sich drei Busse gespickt mit Archäologen und Historikern aus aller Welt auf den Weg nach Ban Chiang, um den Ort des Geschehens sowie das Museum zu besuchen. Unter den Archäologen befinden sich einige Wissenschaftler, die selbst bei den unterschiedlichen Ausgrabungen mit beteiligt waren. Hierbei kommt es eindrucksvollen Überlappungen von Gegenwart und Vergangenheit. So steht der inzwischen emeritierte Professor Michael Pietrusewsky vor einem Bild aus dem Jahr 1972, auf dem er als junger Wissenschaftler zu sehen ist, während er in einer archäologischen Ausgrabungsstätte kniend, Schicht um Schicht der Geschichte ihre Geheimnisse entlockt.

Am Ende des Tages, kurz vor dem abschließenden Festessen, führt Steve Young die Delegation zu dem Ort, an dem alles begann. Selbstverständlich hat sich dort in den letzten 50 Jahren einiges verändert. Reisfelder sind Häusern, Matschwege Straßen aus Beton gewichen und auch „der Baum“ steht nicht mehr an der selbigen Stelle. Die beiden Dorfbewohner, die Young seinerzeit in ihrem Haus aufnahmen, leben hingegen noch in der Gegend und haben sich mit Young noch einmal hier versammelt. Offensichtlich gerührt von dieser Begegnung berichten die drei, wie schon so oft in ihrem Leben und wahrlich nicht zum letzten Mal, wie das damals war, mit dem Baum, dem Sturz und den prähistorischen Scherben.

Es ist ein recht pathetischer, wenn auch rührseliger Moment, als Steve Young, auf Wunsch der Gruppe, die damalige Situation nachspielt und sich noch einmal in den nicht mehr vorhandenen Matsch wirft. Es ist die Szene, die sein Leben nachdrücklich verändert und die eine ganze Region nachhaltig geprägt hat. Der historische Sturz des Steven Young.

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Die Kühe von Pattaya ( von Wariya Changmai )

Kühe pattaya1Was fällt Ihnen als erstes ein, wenn Sie an Pattaya denken? Strände, Bars oder Sextourismus. Ich erzähle Ihnen heute eine ganz andere Geschichte meiner Stadt.

„Es ist kaum zu glauben, dass so unterschiedliche Welten so dicht bei einander liegen und nur durch eine Straße begrenzt sind! Eben noch sahen wir viele Leute und lebendige Strände entlang der Straße, aber jetzt sehen wir auf einmal eine riesige Wiese“ sagte ich zu meinem Papa, nachdem wir von der Jomtien Beach Straße zur Zweiten Jomtien Beach Straße gefahren waren.

Während mein Papa mir links und rechts des Weges etwas zeigte, öffnete er das Autofenster und grüßte einen alten Mann namens A-Nek. Danach parkte mein Papa das Auto neben der Straße, inmitten vieler Gräser und wir gingen zusammen zu Onkel A-Nek.

Vor meinen Augen erschien ein riesengroßes Feld. Onkel A-Nek sammelte gerade Kuhmist ein. Er verpackt den Kuhmist in kleine Säcke, um ihn als Dünger zu verkaufen. Ein Sack kostet 40 Baht.

Direkt gegenüber von Onkel A-Neks Feld, befinden sich mehrere große Condominiums.

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A-Nek erzählte, dass er in der Vergangenheit schon ziemlich vielen verschiedenen Tätigkeiten nachgegangen ist. Er arbeitete z.B. in der Schweine- und Fischzucht oder pflanzte Maniok an. Aber diese Arbeiten     waren nicht erfolgreich.

Schließlich probierte er es mit den Kühen. Diese Arbeit lohnt sich, sogar mit Kuhmist verdient er Geld. Außerdem fressen diese Tiere nur Grässer. Diese sind einfach zu bekommen und die Landstücke, auf denen die Kühe grasen, werden immer gemäht.

Obwohl die Kühe ihr ganzes Leben auf dem Feld wohnen, muss man darauf achten. Denn scharfe Grässer können die Genitalien der Kühe verletzen, was dazu führt, dass die Fortpflanzung gefährdet ist.

Inzwischen ist Onkel A-Nek schon seit über 50 Jahren Viehbesitzer. Am Anfang hatte er nur 2 Kühe. Zurzeit besitzt er fast hundert Kühe. „Aber ich will meine Tiere nicht ans Schlachthaus verkaufen. Ich mag das nicht.“ Sagt A-nek deutlich.

Darüber hinaus hat A-Nek einflussreiche Möglichkeiten den Preis zu bestimmen. Falls die Kunden diesen Preis nicht zustimmen, dann verkauft er nicht.

Er muss keine Angst und Sorge haben, dass die Kühe in der folgenden Zeit billiger werden. Denn je älter die Kühe werden, desto teuerer sind sie. Aus diesem Grund hat er in seiner Arbeit mehr Vorteile als andere.
Normaleweise verkauft er zwei jährige Kühe ab 30,000 Baht je Stück, ohne dass sie gewogen werden.

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Nachdem ich mich mit Onkel A-Nek unterhalten habe, stelle ich gleichzeitig zwei Gefühle in meinem Herzen fest.

Einerseits bin ich glücklich, dass es so etwas heute in Pattaya noch gibt. Anderseits ist es auch schade, dass solche Anblicke langsam immer weniger werden, aufgrund der rasanten Entwicklung der Stadt.

Pray for Bangkok – Wenn die Wohlfühlblase platzt

Ich war gerade dabei, den Unterricht für den nächsten Tag vorzubereiten, als mir ein Freund aus Deutschland eine Nachricht schrieb und ganz zusammenhangslos fragte, ob es mir gut gehe. In dem Moment war mir klar, dass etwas passiert sein musste und zwar etwas, dass so krass war, dass es auch in den deutschen Medien Erwähnung gefunden hatte. Umgehend befragte ich die üblichen Informationskanäle, was denn der Grund für die plötzliche Sorge aus der Heimat sei.

Folgendes war geschehen. Gegen sieben Uhr Ortszeit detonierte am 17. August eine Bombe unweit des Central World Einkaufzentrums, die 20 Menschen in den Tod riss und viele weitere verletzte. Einen Tag später explodierte ein weiterer Sprengkörper in der Nähe des Bootsanlegers Satorn. Glücklicherweise verfehlte dieser sein Ziel, wahrscheinlich eine mit Menschen besetze Fähre, wodurch hierbei niemand verletzt wurde.

Normalerwiese lebe ich in Thailand wie in einer Wohlfühlblase. Ich fühle mich äußerst gut aufgehoben, sicher und willkommen. Nicht einmal mein Motorradhelm, der stets unabgeschlossen an meinem Spiegel baumelt, ist mir jemals abhandengekommen.

Ereignisse wie das jetzige kratzen immer erheblich an dieser Blase. Und es ist nicht so, dass Schreckensmeldungen aus Thailand eine extreme Seltenheit wären. Im Süden des Landes kommt es beinahe täglich zu Anschlägen und auch die politischen Unruhen der letzten Jahre haben immer wieder zu blutigen Zusammenstößen gesorgt. Solche Vorfälle ließen sich bisher jedoch immer sehr leicht von mir extrahieren und zur Seite schieben. Mir einzureden, dass dies alles sehr weit weg von mir wäre, war eine Leichtigkeit.

Dieses Mal ist die Lage etwas anders. Die Orte der beiden Anschläge sind mir sehr vertraut und wohl bekannt. Unweit des Einkaufszentrums bin ich letzte Woche noch mit vollen Taschen vorbei gehetzt und bei der Fährstation steige ich häufig aus, wenn ich mit dem Boot unterwegs bin. Zudem wohnen meine Verwandten gerne in unmittelbarer Nähe des Flusses, während ihrer Bangkok Besuche.

Ich oder mir sehr nahestehende Menschen hätten also unter anderen Umständen dieses Mal vor Ort sein können. Natürlich ist es eine egoistische Sichtweise und ich bin glücklicherweise nicht selbst betroffen. Doch wenn der Schrecken sich auf einmal an Orten mit persönlichen Bezugspunkten abspielt, wird er konkreter und spürbarer.

Kurz nach dem ersten Anschlag florierten in den sozialen Medien unter dem wirkungsmächtigen Hashtag #prayforbangkok unzählige Meldungen, Nachrichten und Mitleidsbekundungen. Auch meine Schüler, Freunde und Kollegen waren verständlicher Weise sehr aufgewühlt und bestürzt. Ich hoffe sehr, dass sich die Geschehnisse in absehbarer Weise aufklären lassen und mein hochgeschätztes Bangkok bald zur Ruhe kommt.

 

 

Mc Donalds ist sch… Die Hongkong-Geschichte

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Die vorliegende Geschichte ist kaum appetitlich, für meine Wenigkeit hoch unangenehm und sollte nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit konsumiert werden. Dennoch muss sie erzählt werden, diese unvergessliche Episode, die den Anfang allen Übels und Vergnügens darstellt. Der kleine Unfall, der sich vor der Toilette einer Mc Donalds-Filiale im Herzen Hongkongs ereignete und der im Folgenden mitsamt seiner widerwärtigen Einzelheiten erörtert wird, bildete den Auftakt und ist eine Art Gründungsmythos für alle später folgenden Abenteuer in Asien.

Im Schatten des Hongkonger Geschichtsmuseums, nur wenige Stunden bevor der gesamte Mageninhalt von drei Tagen meine Beine hinabströmte, hatte ich den Entschluss gefasst, mich für das bald anstehende Praktikum bei unterschiedlichen Museen in Asien zu bewerben. Somit führt eine roter, ich bin geneigt zu sagen ein, brauner Faden, direkt von Hongkong nach Bangkok. Doch immer schön der Reihe nach.

Im Jahr 2007 absolvierte mein Cousin ein Auslandssemester auf Bali. Aus einer Schnapsidee, ihn dort zu besuchen, entwickelte sich ein konkreter Reiseplan, als auch seine Mutter, meine Tante sich für einen Besuch ihres Sohnes entschieden hatte und eine des Englischen einigermaßen mächtige Reisebegleitung suchte.

Als zweites Ziel neben Bali wählten wir Hongkong aus, wo wir einen kleinen Zwischenstopp einlegten. Nicht wissend, dass dieser Reise zahlreiche weitere Asienexpeditionen folgen würden, hatte ich mir eine Vorgabe gesetzt. Ich wollte spachteln, schlemmen, schlürfen, mir den Bauch vollschlagen, bis dass er platzen möge.

Zu exotisch, zu scharf, zu dreckig – nicht für mich. Ich hatte nur zwei Wochen und die wollte ich nutzen.

Diesem Vorsatz folgend verbrachte ich einen Großteil des dreitägigen Hongkong- Aufenthaltes damit, die Stadt auf ihre kulinarischen Genüsse hin abzusuchen und Hongkong hatte so einiges zu bieten.

Ich begann die Tage mit diversen köstlichen Backwaren, die spielend die Grenzen zwischen süß und salzig, scharf und sauer überwanden. Hierbei stellten Brötchen, gefüllt mit einem deftigen Würstchen, umgeben von einer Art Marmelade und süßem, gehackten Schweinefleisch noch die harmloseste Variante dar. Es folgten Restaurantbesuche, bei denen ich, da die Karte keine englische Übersetzung der Gerichte enthielt, mein Essen per Zufallsprinzip bestellte und ein Besuch auf einem Nachtmarkt, wo ich Bekanntschaft mit köstlichen Manti-Shrimps machte, deren Aussehen mich stark an die Alien-Filme erinnerte.

Zwei Tage überstand ich diese Völlerei ohne die Konsequenzen meiner Fresssucht tragen zu müssen. Weder beim Erklimmen der gigantischen Wolkenkratzer noch bei dem schweißtreibenden Abstieg vom Victoria-Peak machte mein Magen Probleme. Wir hatten den höchsten Berg von Hongkong Island nicht wie vom Reisführer empfohlen, mit der Peak Tram, sondern zu Fuß verlassen, obgleich zwei Hongkonger, die wir nach dem Weg gefragt hatten, energisch versuchten uns von diesem Plan abzuhalten. Diese etwa einstündige Wanderung, erwies sich in der Tat als höllisch anstrengend, jedoch belohnte uns die Aussicht über das Häusermeer und die glutrote, sich in der Victoria Bay spiegelnde Sonne für die Strapazen.

Am Morgen des dritten Tages verspürte ich ein kleines Grummeln in der Magengegend, welchem ich jedoch keine großartige Beachtung schenkte. Ich hatte noch einen vollen Tag in diesem kulinarischen Schmelztiegel vor mir und beabsichtige nicht, mir von meinem Bauch irgendwelche Vorschriften machen zu lassen.

Da wir uns in den ersten beiden Tagen hauptsächlich in den quirligen Gassen und den abstrus luxuriösen Einkaufszentren von Hongkong Island rumgetrieben hatten, planten wir den letzten Tag in Kowloon zu verbringen. Einem ausführlichen Frühstück folgte der Besuch des fantastischen historischen Museums. Im dortigen Restaurant gönnte ich mir dann fatalerweise einen Eiskaffee.

War dieser zunächst sehr erfrischend und wohlschmeckend, bereute ich diesen zweifelhaften Genuss kurze Zeit später. Denn der Kaffee setzte in meinem Inneren eine Reaktion in Gang.Gemeinsam mit den Mengen ungewohnten Essens, die ich in den vorigen Tagen vertilgt hatte, schien er sich gegen mich verbündet zu haben.

In meinem Magen vibrierte, krampfte und brummte es. Da braute sich etwas zusammen. Doch noch glaubte ich, es sei nur eine kurzzeitige Verstimmung, die sich durch einen kleinen Spaziergang schnell wieder legen könnte.

Oh ich leichtgläubiger, unwissender, törichter Narr.

Da das merkwürdige Gefühl in der Magengegend immer penetranter wurde, begann ich die Umgebung ein wenig auf mögliche Austrittgelegenheiten hin zu untersuchen. Eine öffentliche Toilette konnte ich nirgendwo entdecken, jedoch eine Mc Donalds Filiale, deren Standort ich mir als letzte Zufluchtsmöglichkeit ins Gedächtnis einhämmerte.

Etwa fünf Minuten später gelangten wir an einen kleinen Markt, dessen kulinarischen Köstlichkeiten mir schon von weitem entgegendampften. Just in diesem Moment verwandelte sich das hintergründige Grummeln in meinem Magen zu einem wahnwitzigen Trommelwirbel, der von stoßartigen, äußerst schmerzhaften Magenkrämpfen begleitet wurde.

Nun war klar, das Gemisch in meinem Inneren hatte sich zu einem explosionsartigen Gebräu verbunden und wollte meinen Körper verlassen und zwar schnell.

Für große Erklärungen blieb keine Zeit. Ich rief meiner Tante zu, ich müsste umgehend eine Toilette aufsuchen und würde es bei der Mc Donalds Filiale versuchen, die wir kurz zuvor passiert hatten. Ihr Gesicht sagte mir, dass sie meinen panisch, schreiend vorgebrachten Ausführungen nicht hatte folgen können, doch machte mir das Erdbeben in meinem Inneren unmissverständlich klar, dass ich darauf leider keine Rücksicht nehmen konnte.

Im Laufschritt machte ich mich in die Richtung auf, in welcher ich das besagte Schnellrestaurant vermutete. Diese Fortbewegungsart hatte einen Vorteil – ich näherte mich meinem Ziel mit erhöhter Geschwindigkeit, bald konnte ich das goldene M der Erlösung bereits erblicken. Der Nachteil des Laufens bestand jedoch darin, dass auch mein Mageninhalt fortwährend bewegt und durchgeschüttelt wurde.

Die Waschmaschine in meinem Inneren wurde in den Schleudergang umgeschaltet.

Keine Frage, lange konnte ich der kochenden Brühe den Austritt nicht mehr verwehren. Doch die Erlösung kam näher. Noch 100 Meter. 50 Meter. Noch 20. Schön Arsch und Augen zu und zum Sprint ansetzen. Geschafft, die amerikanische Systemspielunke war erreicht.

Wo die Toilette? Ah, da ein Schild. Treppe runter. Tür auf, ab in die Kabine und dann endlich die Erlösung.

Nichts da!

Die Mc Donaldsche Toilette verfügte über ein Waschbecken drei Pissoirs und zwei Kabinen, die leider besetzt waren. Nun stand ich zweifelnd, zögernd zaudernd zwischen den Kabinen und den Pissbecken und ging im Geiste in rasendem Tempo meine Option durch.

In meinem Darm herrschte Überdruck, akute Explosionsgefahr, Tschernobyl ein Witz dagegen.

Also was tun?

Hose runter und im Urinal entleeren? Aber das Ding würde überlaufen wie einst die Oder, bei der Menge, die ich in den letzten Tagen verspiesen hatte.

Das Waschbecken, eine denkbare Alternative! Aber wie den Hintern dort hochbekommen? Gibt es einen Mülleimer? Wann wird denn bitte endlich eine verdammte Kabine frei???

Plötzlich, ein wunderbares Geräusch. Hinter einer der beiden Türen war die Spülung betätigt worden. Welch ein Glücksgefühl.

Doch zu früh gefreut.

Mein Körpereigenes Schleusensystem muss das akustische Signal falsch gedeutet haben und begann mit dem Fluten. Ich konnte nichts dagegen tun, es nicht aufhalten, nicht stoppen.

Als hätte sich ein unsichtbarer Stöpsel gelöst, schoss eine warme Fontäne aus meinem Hintern. Und da schoss so einiges.

Die Boxershorts reichte als Auffangbecken nicht mehr aus und der Dreck begann warm und flüssig meine Beine hinabzugleiten. Mir blieb nichts anderes übrig als mich meinem Schicksal zu ergeben, einfach laufen lassen.

Gerade als die körpereigene Schlammpackung begonnen hatte meine Füße zu wärmen, öffnete sich eine Tür und ich stand vor einer umbesetzen Toilette. Welch Erlösung wäre der Anblick zwanzig Sekunden zuvor gewesen – welch Hohn und Spott war er jetzt.

Egal, nun hatte ich den Schlamassel, steckte tief in der Scheiße, treffender gesagt, war ich von dieser von der Hüfte abwärts eingerieben. Aber es half ja nichts. Ich begann das Ausmaß der Katastrophe auszuloten, meine Wunden zu lecken (eine sehr unpassende Formulierung, ich weiß) und entkleidete mich langsam.

Das war jedoch gar nicht so einfach, da meine Jeans sich mit der braunen Brühe so vollgesogen hatte, dass ich sie nur Zentimeter für Zentimeter von meiner Haut schälen konnte.

Irgendwann hatte ich es geschafft. Nun stand ich nackt, eingesaut und völlig verzweifelt vor meinen verdreckten Klamotten.

Socken und Boxershorts waren verloren, die Hose sah von der Vorderseite recht passabel aus, die Rückseite hingegen war nun an den Beinen und in der Hinterngegend mit einem verräterischen braun kariertem Muster überzogen.

Als nächstes beschloss ich meinen vollgeschmierten Körper notdürftig zu reinigen. Leider war die Toilettenkabine für dieses Unterfangen nicht sonderlich gut ausgerüstet. Die Halterung für das Klopapier war verwaist und der für die Pohygiene äußerst hilfreiche Wasserschlauch, der zumindest in thailändischen Toiletten obligatorisch ist, war ebenfalls nirgends zu finden.

Im Vorraum lockten saubere Waschbecken und Papiertücher, doch wie sollte ich dort hingelangen? Meine Hose und Boxershorts waren braun und nass und völlig unbekleidet wollte ich diese Kabine nur ungern verlassen. Denn draußen würde ich nicht allein sein. Ein kontinuierlicher Geräuschpegel, bestehend aus laufendem Wasser und dröhnendem Handtrockner war ein unmissverständlicher Hinweis auf andere Toilettenbenutzer und auf Gesellschaft legte ich in meinem Zustand nun wahrlich keinen sonderlichen Wert.

Nein, ich musste die Reinigung vor Ort, mit den mir zu Verfügung stehenden Hilfsmitteln vornehmen, eine andere Möglichkeit war ausgeschlossen. Folgende Utensilien konnte ich für meine Säuberung verwenden: Zwei Flyer aus Pappe, mehrere Quittungen, die sich in den letzten Tagen in meinem Portmonee angesammelt hatten sowie das Spülwasser der Toilette, dessen stark chemischen Geruch ich als ein Versprechen völliger Keimfreiheit interpretierte.

Der langsam trocknende Kot ließ sich nur unter starkem Krafteinsatz und wiederholtem hin und her reiben entfernen.

Das Papier der Quittungen war zu dünn, riss ständig und begann sich aufzulösen, die Pappe der Flyer war stabiler, jedoch ein Reinigungsmittel der rustikaleren Art. Dort wo ich meine Haut vom Braun des Stuhls befreit hatte, schimmerte sie Erdbeerrot und schmerzte dementsprechend.

Während ich auf diese etwas abenteuerliche Art und Weise versuchte, mich notdürftig zu säubern, schwirrte mir, warum auch immer, fortwährend eine Zahl im Kopf herum.

Siebenmillionen Siebenundneunzigtausend Sechshundert, Siebenmillionen Siebenundneunzigtausend Sechshundert, Siebenmillionen Siebenundneunzigtausend Sechshundert!!!

So viele Menschen lebten aktuell in Hongkong. Die Zahl hatte ich dem Reiseführer entnommen und offenbar behalten

SiebenmillionenSiebenundneunzigtausendSechshundert Menschen lebten in dieser Stadt und ihnen allen würden mein Missgeschick auffallen. Sie würden mich mit vollgeschissener Hose sehen, angewidert und voller Verachtung mit dem Kopf schütteln.

Alle auf einmal!

Sobald ich wieder einigermaßen sauber war, zumindest kotfrei, plante ich die nächsten Schritte heraus aus meinem Schlamassel.

Ein Problem bestand weiterhin und konnte stationär, mit Flyern und Spülwasser nicht behoben werden. Die Hose war auf ihrer Rückseite so vollgesaut, dass ich mir nicht ernsthaft vorstellen konnte, mich hiermit auf die Straße zu bewegen, geschweige denn mit der U-Bahn zurück ins Hotel zu fahren.

Was würden die Siebenmillionen Hongkonger dazu bloß sagen? Unvorstellbar.

Plötzlich erinnerte ich mich meiner Tante, die inzwischen seit etwa zwanzig Minuten, nichtsahnend von meinem Unglück, auf mich wartete. Zum Markt zurückgehen, mit dieser Hose, nicht machbar. Sie anrufen? Eventuell sehr teuer aber immerhin eine Möglichkeit.

Mein Telefon hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt in Asien noch nicht benutzt und war somit nicht sicher, ob mein Gerät und das meiner Tante hier überhaupt funktionieren würden.

Die enormen Kosten, welche die Telekom mir später für diesen Anruf berechnen würde, ignorierend, wählte ich ihre Nummer. Leise, verrauscht und kaum hörbar erklang die Stimme meiner Tante.

Laut schreiend schilderte ich ihr meine Lage. Leider schien sie bis auf Mc Donalds nichts verstanden zu haben. So schrie sie wiederum, dass sie dort hinkommen würde.

Um meiner Tante nicht mit blankem Penis gegenüberzutreten, zwängte und quälte ich mich zurück in meine Hose.

Die Soße war inzwischen trocken oder von mir so sehr in den Stoff hineingerieben worden, dass ich sie nicht mehr spürte.Zusätzlich lehnte ich mich lässig an eine Wand im Vorraum der Toilette, um die brauen Flecken zu verbergen.

Unter den erschrockenen Blicken meiner Toilettenkumpels tauchte keine fünf Minuten später meine Tante in der Herrentoilette auf.

Ich schilderte ihr die Vorkommnisse, die missliche Lage, in der ich mich befand und bat sie irgendwo eine neue Hose für mich aufzutreiben.

Während ich wieder zurück in meiner schützenden Kabine auf die Rückkehr meiner Tante wartete, gab ich mich voller Selbsthass trüben Gedanken hin, in denen auch die Siebenmillionen Hongkonger wieder eine entscheidende Rolle spielten.

Wiederum fünfzehn Minuten später war meine Tante vom Markt zurück, in ihren Händen die Erlösung – eine schwarze Hochwasserhose!

Ich entsorgte meine Jeans, Boxershorts nebst Socken, schlüpfte in das Beinkleid und verließ als neuer Mensch das Schnellrestaurant.

Obgleich mir meine Tante versicherte, dass sie absolut nichts riechen würde, fühlte ich mich auf dem Rückweg ins Hotel wie ein menschliches Klärwerk. Erst die Dusche im Hotelzimmer sorgte dafür, dass ich mich wieder einigermaßen wohl in meiner Haut fühlte.

Der rettenden Hose habe ich in meinem Kleiderschrank einen Ehrenplatz eingeräumt. Sie ist weder kleidend noch wahnsinnig modisch, daher habe ich sie seit der Hongkongreise nur sehr selten getragen.

Gelegentlich nehme ich sie jedoch aus meinem Schrank, streiche liebevoll über den billigen Kunststoff und bedanke mich bei ihr, dass sie mich davor bewahrt hat, mit blankem Hintern durch Hongkong zu rennen.

Inzwischen ist die „Hongkong Geschichte“ fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses meines engeren Freundes- und Familienkreises geworden. Als säßen wir vor einem Lagerfeuer und ich erzählte Schwänke aus meiner Jugend, werde ich immer wieder aufgefordert, doch noch mal zu erzählen, wie das damals so war in Hongkong mit mir, Mc Donalds und meinem Darm.

Zugleich fungieren die Schilderungen meines kleinen, übelriechenden Fauxpas auch als Zungenlöser und Türöffner. Es ist so eine Sache mit den Scheißgeschichten: Jedem passiert so etwas – keiner möchte drüber reden, doch wehe das Schweigen wird gebrochen.

Ich mache immer wieder die Erfahrung, dass, sobald ich meinem Gegenüber von meinem Fäkalerlebnis berichtet habe, es aus ihm oder ihr herausbricht wie aus mir, einst in Kowloon.

Das Hören meiner Kackgeschichte lockert bei vielen einen inneren Spamfilter.

Ich habe mich ihnen offenbart, so wollen auch sie mir ihr dunkelstes Geheimnis erzählen.

Ohne dies weiter beabsichtigt zu haben, bin ich auf diese Weise in den „Genuss“ der unterschiedlichsten Scheißgeschichten gekommen. Das ist selten appetitlich, doch stets hochgradig unterhaltsam.

Koh Kradat. Sonne, Strand und Bambi

Koh Kradat ist eine eher kleine Insel im östlichen Golf von Thailand. Ihren Namen, der im thailändischen Papier bedeutet, verdankt die Insel ihrer außergewöhnlich flachen Oberfläche. Während sich auf den Nachbarinseln zum Teil massive Gebirge erheben, verbleibt die Erde auf Koh Kradat zumeist ebenerdig, einige Meter über der Meeresoberfläche. In ihrer unmittelbaren Umgebung befinden sich die weitaus größeren Inseln Koh Mak, Koh Kut und Koh Chang, von der Ostseite sind zudem in der Ferne die Berge des kambodschanischen Festlandes auszumachen.

Trotz ihrer geringen Größe, kaum zwei Quadratkilometer, ist die Landschaft Koh Kradats ausgesprochen vielschichtig. Entlang der West- und Südküste erstrecken sich goldgelbe Strände, hinter denen hohe Palmen aufragen. Auf der Nord- und Ostseite hingegen sind die Sandstrände von Mangrovenwäldern und Gesteinsformationen unterbrochen, deren Form und Farbe auf vulkanischen Ursprung schließen lassen.

Einst war die Insel ein bevorzugtes Reiseziel des thailändischen Königs Chulalongkorn (Rama V), der hier einen Teil seiner freien Zeit verbrachte, zur Jagd ging sowie fleißig Tagebuch führte. An einem besonders schönen Strand, auf der Westseite der Insel, pflegte er sein Abendessen zu sich zu nehmen und mit Blick auf die Nachbarinsel Koh Mak den Sonnenuntergang zu verfolgen. Im Laufe der Zeit war ihm die Insel so sehr ans Herz gewachsen, dass er sie einem seiner Söhne vermachte, seinem siebzehnten.

Mit den Jahren wechselten die Besitzer der Insel mehrmals und mit ihren Bewohnern, veränderte sich auch ihre Flora und Fauna. Die unzähligen hochgewachsen Kokospalmen, die heute einen Großteil der Insel bewachsen, sind Überreste der Palmenplantage, die vorige Besitzer hier einst errichteten, nach einigen Jahren jedoch wieder aufgaben. Ihnen folgte eine Familie, die sich dauerhaft auf der Insel niederlassen wollte. Um auf der abgeschiedenen Insel nicht zu sehr zu verseinsamen, nahmen sie sich Haustiere mit, vier Exemplare einer asiatischen Reh Art. Im Gegensatz zu jener Familie blieben die Rehe auf der Insel und vermehrten sich, in Abwesenheit der Menschen oder sonstiger natürlicher Feinde, zahlreich. Heute sind sie auf der ganzen Insel verbreitet und bescheren Koh Kradat eine ungewöhnliche Attraktion, die keine ihrer Nachbarinseln zu bieten hat.

Bei den derzeitigen Bewohnern handelt es sich um eine etwa zwanzigköpfige Familie, die vor 45 Jahren auf die Insel zog und einen kleinen Teil im Norden der Insel bewohnt. Anders als ihre Vorgänger beschloss sie die Insel auch für Touristen zugänglich zu machen und errichtete einige einfache Bungalows, die etwa dreißig Besuchern Unterkunft bieten. Jedoch öffnet die Insel ihre Pforten für Touristen lediglich am Wochenende oder in Ausnahmefällen nach Vereinbarung. Während der Regenmonate Mai bis November, wenn das Wetter zu ungemütlich, die See für das kleine Boot, welches die Touristen von der Anlegestation auf dem Festland zur Insel transportiert, zu stürmisch ist, beherbergt die Familie nur in Ausnahmefällen Besucher. In dieser Zeit konzentrieren sich die Bewohner wieder ausschließlich auf die Unterhaltung der Palmenplantage sowie die Fischerei.

Während die bereits angesprochenen Rehe inzwischen in so großer Zahl vorhanden sind, dass es ein leichtes ist sie aufzuspüren, sucht man Autos auf Koh Kradat ebenso vergeblich wie asphaltierte Straßen. Bei den einzigen Transportmitteln handelt es sich um zwei Fahrräder, ein Motorrad sowie einen Traktor, der, einen Anhänger hinter sich herziehend, die Touristen zu den verschiedenen Orten auf der Insel transportiert. Der Strom, den ein Generator erzeugt, wird nur in den Abendstunden eingeschaltet. Nur an den Wochenenden, wenn Touristen auf der Insel verweilen, steht der Strom die ganze Nacht über zur Verfügung.

Obgleich die Insel nicht mit den Luxusferienanlagen seiner Nachbarinseln aufwarten kann, es keine Naturschauspiele wie Wasserfälle oder tropischen Regenwald zu besichtigen gibt und andere Inseln möglicherweise die breiteren Strände und blaueren Buchten zu bieten haben, ist die Insel in jedem Fall eine Reise wert. Ihre Abgeschiedenheit, ihre naturbelassene, teils rustikale Landschaft verleihen der Insel einen ganz besonderen Charme. Hinzu kommen die ausgesprochen liebenswerten und zuvorkommenden Bewohner, die sehr an ihrer Papierinsel hängen und sich von Herzen darüber freuen, wenn Besucher ihre Zuneigung zu ihrem zu Hause teilen.

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Wilde Python-Jagd am frühen Morgen

Es gibt wahrlich Schöneres, als an einem arbeitsfreien Tag, morgens um sieben, von lautem Hundegebell geweckt zu werden. Insbesondere dann, wenn die Köter tatsächlich einen kräftigen Grund für ihr Radau haben und nicht wegen einer kleinen Kröte anschlagen.

Der Grund ihrer Aufregung war armdick, zwei Meter lang und hatte es auf unsere Katzen abgesehen. Da hatte doch tatsächlich eine riesige Python die Frechheit besessen, unser Grundstück zu betreten, wohlgemerkt, ohne sich vorher anzumelden, geschweige denn, um Erlaubnis zu fragen. Hat man eine solche Unverfrorenheit schon erlebt? Zudem ließ eine verdächtige Beule in der Schlangenmitte darauf schließen, dass sie sich bereits an unserem zugegebenermaßen recht umfangreichen Katzensortiment bedient hatte.

Dementsprechend unfreundlich war daher auch die Begrüßung, die unsere drei Hunde dem Eindringling bereiteten. Sie bellten und drohten, rannten und sprangen um das Ungetüm herum, welches seinerseits mit einer stoischen, ich möchte beinahe sagen arroganten, Ruhe reagierte. Hinter den Hunden, in einem gehörigen Sicherheitsabstand, stand die komplette Hausbelegschaft, unsicher, wie nun zu reagieren sei.

Zwar sind Schlangen, Pythons und Kobras eingeschlossen, wirklich keine Seltenheit in Thailand, doch handelte sich in diesem Fall schon um ein besonders großes Exemplar. Hilfe war vorerst keine zu erwarten. Der sogleich kontaktierte Schlangennotdienst meinte, dass es doch noch reichlich früh am Tage sei und, dass die Schlange eventuell von alleine wieder verschwinden würde. Das muss man sich mal vorstellen: „Hallo Feuerwehr, es brennt, bitte kommen sie schnell“! „Nun mal ganz langsam. Erstens ist es noch sau früh, der Erwin hat seinen Kaffee noch nicht alle und ich bin mit der BILD auch noch nicht durch. Zweitens haben sie vielleicht Glück und das Feuer geht von alleine aus“.

Wir waren also auf uns alleine gestellt und mussten vorerst ohne professionelle Unterstützung mit dem Ungetüm fertig werden. Wir fragten die Schlange zunächst artig, ob sie nicht das Weite suchen und anderer Leute Katzen fressen wolle. Sie lehnte jedoch dankend ab. Unsere katzen schmeckten ihr am besten und sie sei noch lange nicht satt. Anschließend gingen wir zu rabiateren Methoden über. Mit unserer provisorischen Bewaffnung, hauptsächlich aus eiligest herbei geschaften Gartenwerkzeugen bestehend, näherten wir uns dem Monster. Wir umzingelten es und versuchten im Verbund mit den Hunden das Reptil zu ubertöpeln.

Es war ein langer und harter Kampf, den wir schließlich für uns entscheiden konnten. Abgelenkt durch einen mutigen Angriffsversuch durch Hund Harry, vernachlässigte die Schlange ihre Deckung. Diesen Moment der Unachtsamkeit nutzen wir aus, um der Python eine Schlaufe um den Schlangenhals zu werfen. Einmal festgezurt, hatte das Tier keine Chance mehr. Nun lag es in der Falle.

Fünf Minuten, nachdem der Kampf beendet und die Python gefangen worden war, traffen auch die professionellen Schlangenjäger am Ort des Geschehens ein. Es behagte ihnen jedoch sichtlich, dass sie, ohne einen Finger gekrümmt zu haben, einem solchem Prachtexemplar habhaft werden konnten. Sie befreiten die Schlange aus unserer provisorischen Falle, verstauten sie in einem großen Sack und fuhren wieder davon.

Die beigefügten Bilder mögen den Eindruck vermitteln, ich würde dem Geschehen, von Angst gepeinigt, aus sicherer Entfernung folgen. Dieses widerspricht natürlich fundamental den Tatsachen und verzerrt das eigentliche Geschehen. Ich wollte mich lediglich nicht in den Vordergrund drängen, auch anderen mal die Chancen auf Heldentaten zugestehen und nicht den Fluchtweg versperren. Das ist die reine Wahrheit und alles andere ist erstunken und erlogen.

 

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Vertretungsstunde Sport

Wenn ich für gewöhnlich einen Klassenraum betrete, muss ich mich zunächst durch Horden herum tollender Schüler hindurchkämpfen. Habe ich das Pult schließlich erreicht, dauert es mindestens zwei Minuten, bis alle Schüler sich erbarmt haben, zu ihren Plätzen zurückzukehren. Weitere zwei Minuten nehmen dann die Begrüßungszeremonie sowie das zeitlupengleiche Hervorholen der Bücher in Anspruch.

An diesem Donnerstag hingegen war alles anders.

Im Klassenraum einer zweiten Klasse saßen etwa 30 strahlende Kinder, die mich mit großen Augen neugierig und wohlwollend anblickten. Als sie erfuhren, dass ich an diesem Tag die Vertretung ihres Sportlehrers übernehmen würde, brach eine Jubelorgie aus, als wäre Thailand gerade Fußballweltmeister geworden. Ein Schüler ging sogar auf die Knie und vollzog einige Bewegungen, die wohl Anbetungen darstellen sollen.

Dass ich an diesem Tag meine Premiere als Sportlehrer geben würde, hatte ich selbst keine zehn Minuten zuvor erfahren. Ein Kollege hatte sich krank gemeldet, ich zwei Freistunden, also keine Frage: Teacher Felix, bitte übernehmen sie! Keinerlei Erfahrung als Sportlehrer, nicht mal ansatzweise adäquate Sportbekleidung zur Hand und das Thema des Unterrichts nicht in Erfahrung zu bringen – alles kein Problem: „Up to you!“

Da an diesem Tag jedoch die Fußball WM in Brasilien begonnen hatte und ich ein hoffnungsloser Fußballfanatiker bin, fiel es mir nicht sonderlich schwer, den Inhalt der Stunde zu bestimmen. „Zieht euch eure Schuhe an und nehmt ordentlich Wasser mit. Wir gehen kicken!“ Wieder brach ein ohrenbetäubender Jubelsturm aus, der so laut war, dass ich befürchtete, die anderen Lehrer könnten denken, der Deutsche ziehe irgendeine fiese Propagandanummer durch.

Ein paar besonders enthusiastische Jungs in der ersten Reihe sprangen von ihren Sitzen auf, in der Absicht mir um den Hals zu fallen, was ich nur dadurch verhindern konnte, dass ich mir spontan den Ball schnappte und geschwind Richtung Ausgang schritt. Keine fünf Minuten später waren wir an der Sportanlage eingetroffen.

Die Schule verfügt über mehrere Basketballplätze, einen Fußballkäfig sowie ein Fußballfeld, dessen saftig grün glänzender Rasen sich stets in einem fantastischen Zustand befindet. Es war also alles angerichtet für ein ordentliches Match.

Nach einer kurzen Aufwärmphase und der Verteilung der Mannschaften – auf ausdrücklichen Wunsch der Klasse Mädchen gegen Jungs – konnte das Spiel beginnen. Wie ein wilder Bienenschwarm stürzten sich alle Schüler auf den Ball, mehr fielen und stolperten sie, als dass sie rannten. Bald war der Ball nicht mehr zu entdecken, ob der unzählbaren Kinderkörper, die diesen umgaben. Zu sehen war lediglich ein riesiges Schülerknäuel, welches sich mal zehn Meter in die eine und kurz darauf zehn Meter in die andere Richtung bewegte.

Die Mädchen hielten sich sehr tapfer und warfen sich ihren männlichen Klassenkameraden entgegen, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Nach einigen Minuten lichteten sich die Reihen der Damen jedoch merklich. Bald saßen mehr von ihnen neben dem Platz, als auf diesem spielten. Die Jungs konnten die sich nun einstellende Überzahl nutzen und erzielten in kurzer Zeit zwei Tore.

Die Stimmung drohte nun zu kippen, die Mädels schienen die Lust zu verlieren, ein Hauch von Revolution hing in der Luft. Ich entschloss mich also auf Seiten der Mädels in das Spielgeschehen einzugreifen. Ich entledigte mich meiner Krawatte, krempelte die Ärmel hoch und sprintete dem Ball entgegen, was angesichts der rutschigen Anzugsschuhe ein relativ schwieriges Unterfangen war.

Es gelang mir schließlich den Damen zwei Vorlagen zu servieren, welche diese mustergültig zu verwandeln wussten. Dass die Jungs schließlich noch ein weiteres mal einnetzen und somit das Spiel mit 3:2 für sich entscheiden konnten, wog am Ende nicht mehr ganz so schwer. Mit diesem Ergebnis waren beide Seiten zufrieden.

Völlig verschwitzt und abgekämpft kehrten wir nach etwa 30 Minuten wieder ins Klassenzimmer zurück, wo ich den Schülern noch einige Fußball Vokabeln und Anekdoten mit auf den Weg gab.

Nächster Schritt Sportlehrer? Warum eigentlich nicht…

Babylon im Lehrerzimmer

Die ausländischen Lehrkräfte an meiner Schule sind in einem separaten Bereich untergebracht und auf zwei Lehrerzimmer verteilt. Das Lehrerzimmer, in dem sich auch mein Pult befindet, beherbergt „Pädagogen“ aus insgesamt acht verschiedenen Ländern.

Die größten Gruppen machen die zynischen und aus Prinzip mit allem unzufriedenen US-Amerikaner, die stillen, höflichen und stets unter sich bleibenden Chinesen sowie die immer gut gelaunten Filipinos aus. Hinzu kommen noch ein Pole, ein Engländer, ein Schwede, ein Schotte und ich.

Obgleich alle Insassen dieses Raumes der englischen Sprache mehr oder weniger mächtig sind, was an einer bilingualen Schule auch zu erwarten wäre, herrschen doch elementare, kaum überbrückbare Sprachbarrieren. Denn acht verschiedene Nationalitäten sind in diesem Fall gleich zu setzen mit mindestens acht unterschiedlichen Arten englische Wörter auszusprechen, zu betonen oder gar zu interpretieren.

Ein reines Vergnügen ist es beispielsweise eine Konversation zwischen dem Schotten und den Amerikanern zu verfolgen. Kein Satz, auf den nicht eine Nachfrage erfolgt, kein Wort ohne Stirnrunzeln. Einfach köstlich. Es ist, als ob ein oberbayrischer Milchbauer in einer Postfiliale im Erzgebirge, eine Konversation über das deutsche Reinheitsgebot beginnt und als Antwort eine Schilderung der passiven Abseitsregel erhält.

Die kulturelle Vielfalt hat natürlich auch ihre kaum zu leugnenden Vorteile. Sobald die Mittagspause begonnen hat, ist der Raum erfüllt mit den Gerüchen unterschiedlichster Gerichte. Insbesondere die Chinesen und die Filipinos verköstigen dann selbst gemachte einheimische Speisen, von denen sie auch gerne gönnerisch etwas abgeben.

Die Europäer und Amerikaner wiederum erweisen sich als etwas genügsamer und verzerren zumeist von daheim mitgebrachte Brote. Sie verfügen dafür aber über umfangreiches Wissen über die besten Pizzerias und Bierbars der Stadt. Immerhin etwas.

Generalprobe vergeigt, die Premiere durchwachsen – Der erste Schultag (mit Schülern)

 

Heißt es in der Welt des Theaters nicht, dass einer wirklich gelungenen Premiere eine total verkorkste Generalprobe vorausgehen sollte?
Dieser Maxime folgend, leistete ich mir ein Paradebeispiel der Peinlichkeiten, noch bevor ich auch nur ein einziges Wort an meine Schüler gerichtet hatte. Um bestmöglich vorbereitet in die ersten Schulstunden zu gehen, lief ich am letzten Tag der Vorbereitung noch einmal das Schulgebäude ab, in der Absicht mir die Nummer der Klassenräume zu notieren, in denen ich meinen Einstand geben würde. Es war bereits nach vier, die Kollegen schon auf dem Heimweg und ich der einzige Lehrer auf weiter Flur. Vor den Räumen standen zwei Putzfrauen, die mir erst freundlich das Raumsystem erklärten, dann aber merkwürdig zu grinsen und kichern anfingen. Als ich mich ein paar Meter entfernt hatte, wurde aus dem Kichern ein regelrechter Lachanfall. Ich schaute an mir herunter und sah, dass mein Hosenstall sperrangelweit offen stand.

Am nächsten Tag traf ich dennoch gut gelaunt, gleichzeitig aber fürchterlich aufgeregt, in der Schule ein. Nun war er tatsächlich gekommen, der erste Tag als Lehrer an einer thailändischen Schule! Um kurz vor acht versammelten sich alle Schüler und Lehrer auf dem Vorplatz der Schule. Nachdem die Fahne gehisst, die Hymne gesungen und ein Gebet gesprochen worden war, kehrten die Lehrer völlig verschwitzt in das auf 17 Grad künstlich heruntergekühlte Lehrerzimmer zurück, während die Schüler noch ein wenig marschierten. Doch bald darauf strömten die Massen zurück ins Schulgebäude. Ein unmissverständliches Signal, dass es jetzt losgehen sollte.

Kurz darauf stand ich dann auch im Klassenraum einer neunten Klasse, vor mir 35 Teenageraugenpaare, die mich fragend bis irritiert anblickten. Nach einer gefühlten Ewigkeit begrüßten mich die Schüler schließlich im Chor: „Good morning, teacher Felix“. Ich hätte darauf antworten sollen: „Good morning, class, how are you today“? Hierauf hätten sie wiederum gesagt, dass es ihnen blendend ginge und sich nach meinem Zustand erkundigt. Das ganz normale Prozedere am Anfang jeder Stunde eben. Leider war mir dieses Ritual noch nicht geläufig, weshalb ich mindestens genauso verwirrt schaute wie die Schüler.

Irgendwann war jedoch auch dieses Missverständnis behoben und ich konnte beginnen. Meinem Plan folgend, stellte ich mich kurz vor und bat die Schüler anschließend, mir dieses gleich zu tun. Hierbei sollten sie mir ihren Namen mitteilen sowie etwas aufzählen, was sie mochten und etwas, was sie nicht ausstehen könnten. Während die wissbegierigen Mädels in den ersten Reihen motiviert loslegten, entglitt mir der Rest der Klasse zunehmend. Sie kannten sich doch untereinander bereits und fanden es viel spannender durch die Klasse zu hüpfen und sich laut schreiend und lachend von ihren Ferienerlebnissen zu berichten.

Ein Schüler, der seine ersten Barthaare stolz als Schnäuzer zur Schau stellte, fiel hierbei besonders unangenehm auf. Nachdem ich ihn bereits dreimal ermahnt hatte und er immer noch nicht zur Ruhe kommen wollte, bat ich ihn zu mir nach vorne und forderte ihn auf, sich mir nun vorzustellen. Er sagte: „My name is Felix, I like Felix, I don’t like Felix” und lachte dabei schelmisch über seinen gelungen Streich. Nach dem drittem mal Nachfragen erbarmte er sich schließlich doch und teilte mir seinen Namen mit. Selbstredend habe ich mir diesen jungen Mann im Geiste als potentiellen Musterschüler vorgemerkt.

Diese vermaledeite Vorstellungsrunde erwies sich je länger sie dauerte als ein ziemliches Eigentor. Quälend lange suchten die Schüler nach Antworten auf meine ach so komplizierten Fragen, welche ich dann zumeist kaum verstehen konnte, hatte doch der Lärmpegel im Klassenraum inzwischen Düsenjäger Qualitäten angenommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir schließlich in der letzten Reihe angekommen und ich war gerade dabei, die Hoffnung wieder zu gewinnen, doch noch zumindest etwas thematisch einsteigen zu können, da stand plötzlich eine Lehrerin in der Tür und erklärte knapp, dass die Klasse jetzt zu einer Ansprache der Direktorin müsse und die Stunde nun beendet sei. Es verging keine Minute und ich stand alleine im Klassenraum. Ich fühlte mich wie ein miserabler Circusclown, dem die Zuschauer abhanden gekommen waren.

Zwei Stunden später versuchte ich mein Glück, meine vorbereiteten Spiele und Inhalte erneut aus, dieses mal an einer achten Klasse. Zwar durfte ich nun die komplette Unterrichtszeit im Klassenraum verweilen, doch gestaltete sich die Zeit in diesem so chaotisch, unbefriedigend und vor allem ohrenbetäubend laut, dass ich bereits 5 Minuten vor dem eigentlichen Ende die Segel strich und zurück ins eisige Lehrerzimmer schlich.

Nun völlig desillusioniert und innerlich schon den Koffer für die Rückreise nach Deutschland packend, beschloss ich mir und den Schülern noch einen einzigen, einen letzten Versuch zu gönnen. Danach könnte ich das Experiment als Lehrer immer noch als gut gemeinten, jedoch völlig gescheiterten Versuch abbrechen.

Meinem Unterrichtsplan, der sich in den letzten Tagen beinahe stündlich verändert hatte, konnte ich entnehmen, dass ich nun eine siebte Klasse unterrichten sollte. Mit dem Mut der Verzweiflung betrat ich den Klassenraum voller Schwung und begann mein inzwischen etwas modifiziertes Vorstellungsprozedere abzuspulen. Anschließend stieg ich nahtlos in den Unterrichtstoff ein. Zu meiner völligen Verwunderung war diese Klasse sehr ruhig, freundlich, aufgeschlossen und arbeitsfreudig. Ich vermutete einen Trick, eine Falle oder zumindest eine irgendwo versteckte Kamera, doch die Schüler verhielten sich die ganze Stunde über völlig zauberhaft und nahmen es mir noch nicht einmal Übel, dass ich ihnen in meiner Unkenntnis ihre fünfzehn minütige Pause stibitzt hatte.

Nach sage und schreibe 65 Minuten Unterricht verabschiedeten sie mich freundlich und ich ging dann doch mit einem relativ guten Gefühl nach Hause. So konnte das Unterrichten also auch sein. Darauf ließe sich aufbauen…

 

Doch nicht die Lüneburger Heide. Kobra und Waran als ungebetene Wochenendgäste.

Ich lebe auf einer ehemaligen Obst- und Palmenplantage. Umgeben von Bannanbäumen, Kokospalmen, Limettensträuchern und unzähligen exotischen Blumen, steht das Haus, in dem ich wohne auf einem kleinen Teich, im Herzen der Anlage. Die Plantage ist zudem von einem System an Kanälen durchzogen, die vormals der Bewässerung der Pflanzen dienten und in denen sich inzwischen Fische, Schildkröten und Frösche eingenistet haben. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich außerdem Obstplantagen und raumgreifende, saftiggrüne Reisfelder.

Selbstredend ist mir bewusst, dass sich in solch tropischen Gefilde auch so manch unangenehmes und giftiges Getier herumtreibt, doch blende ich Gedanken dieser Art zumeist aus, wenn ich einmal eine Erkundungstour durch die Anlage unternehme. Ich fühle mich hier sicher und wohlbehaglich, als unternähme ich einen Spaziergang in der Lüneburger Heide.

Dieses Wochenende jedoch hatte sich das Getier offensichtlich vorgenommen, mir ein für alle mal deutlich zu machen, dass dies alles ist nur nicht die Lüneburger Heide.

Am Samstag befand ich mich auf einer kleinen Einkaufstour in Bangkok und erfuhr daher von den Ereignissen erst im Nachhinein, bei meiner Heimkehr. Folgendes Drama hatte sich während meiner Abwesenheit abgespielt. Der Neffe meiner Freundin saß entspannt auf der Veranda und beobachtete unsere Hunde, die aufgeregt bellend und knurrend vor einem kleinen Erdloch herumliefen. Da die drei aber bei jeder kleinen Schildkröte ausflippen, dachte er sich nichts weiter dabei.

Plötzlich erblickte er eine Kröte, die leblos vor eben diesem Loch lag. Nun doch neugierig geworden, stocherte er in dem Loch herum und weckte hierdurch eine mehr als einen Meter lange Kobra aus ihrem Mittagsschlaf, die kurz darauf schlecht gelaunt aus ihrem Unterschlupf schlüpfte. Während der Neffe schnell das Weite suchte, entbrannte zwischen den Hunden und der Schlange ein wilder Kampf, welchen erstere schließlich für sich entscheiden konnten. Mit einem beherztem Biss mitten hinein in den Schlangenkörper und ein paar wilden Schleuderbewegungen, beendete Hundedame Kiwi das Duell für sich.

Als ich am nächsten Tag über meinen Unterrichtsvorbereitungen saß, machten die Hunde erneut einen Mordskrach. Von den Ereignissen des Vortages etwas eingeschüchtert, machte ich mich mit massivem Gartenwerkzeug bewaffnet auf, um nachzusehen, was die Köter den dieses Mal entdeckt hätten.

Ich musste einige Meter laufen, bis zu einem der Kanäle am äußeren Ende der Plantage. Dort sah ich die drei wild auf und ab hüpfen und plötzlich entdeckte ich auch den Grund für dieses Spektakel. Umringt von den Hunden kroch ein Waran, in einer Größe, wie ich sie in Thailand noch nicht gesehen hatte. Ohne Übertreibung war dieser Drachen bestimmt zwei Meter lang und hatte einen Kopf mit dem Umfang eines Basketballs.

Ich hatte keinerlei Vorstellung davon, wie ich mit diesem Ungetüm fertig werden sollte. Als in Deutschland sozialisierter Mensch, fehlt es einem doch etwas an Erfahrungsschatz, im Umgang mit solchen Monstern. Ich schrie den Waran erst mal an, klatsche in die Hände und fuchtelte wenig motiviert mit meiner Waffe herum.

Mein kleiner Kriegstanz schien das Vieh aber ebenso wenig zu beeindrucken, wie das Gebell und Gehüpfe der Hunde. Plötzlich stand der Vater meiner Freundin neben mir und ehe ich mich versehen konnte, hatte er eine Kokosnuss in der Hand und warf sie dem Ungeheuer in einem hohen Bogen direkt auf den Kopf.

Dieser Treffer zeigte sogleich die erhoffte Wirkung und der Waran machte langsam kehrt und lies sich behäbig in den Kanal hinabgleiten. Zurück blieben der Vater, der alte Groswildjäger und ich, mit einer leichten Sehnsucht nach der Lüneburger Heide.

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