Von Kloaken, Hunden und frischen Bananen. Aus dem Leben eines Pendlers

Etwa zwanzig Minuten auf dem Fahrrad, mehr als eine Stunde in zwei unterschiedlichen Vans und anschließend noch einmal zehn Minuten an Bord eines kleines Bootes, verbringe ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit. Dies ist die Konsequenz daraus, dass ich mich dafür entschieden habe, nicht wie üblich ein kleines Apartment in einem der Hochhäuser der thailändischen Hauptstadt zu beziehen, sondern auf dem Land, im Haus meiner Freundin zu residieren.

Um es vorweg zu nehmen, ich bereue diesen Schritt keinesfalls, habe ich doch hierdurch die Möglichkeit, in einem tropischen Garten Eden zu leben, in dem Bananen, Granatäpfel, Limetten, Kokospalmen und unzählige weitere Blumen und Pflanzen gedeihen. Für dieses Paradies nehme ich gerne einen weiten und gelegentlich beschwerlichen Weg nach Bangkok in Kauf. Diesen möchte ich im Folgenden ein wenig näher erläutern.

Am Anfang eines jeden Tages steht zunächst eine kurzweilige Fahrradtour, die ich, sofern es nicht regnet, sehr genieße. Über kleine, kurvige Landstraßen führt mich mein Weg, vorbei an kleinen Tempeln, geschäftigen Märkten und ihrer Mündung entgegen mäandernden Flüssen. Die langsam erwachende Sonne taucht die Landschaft in ein samtartig, golden schimmerndes Licht und ein warmer Wind weht mir die leicht rauchige Luft um die Nase, während an mir saftig grüne Reisfelder und weitläufige Kokosplantagen vorbeirauschen.

Die Zeit in den beiden Vans ist zumeist wenig ereignisreich und wird von mir gelegentlich für eine Mütze Schlaf genutzt. Häufig nur im Schritttempo bewegen sich die kleinen Busse durch den Bangkoker Verkehrswahnsinn und kommen dort, mitunter bis zu zwanzig Minuten, sogar gänzlich zum stehen. Hat sich die Blechlawine dann doch einmal in Bewegung gesetzt, legen die Fahrer der Vans einen recht riskanten Fahrstil an den Tag, bei dem jede noch so kleine Lücke auf dem heißen Asphalt ausgenutzt wird.

Bei der letzten Etappe auf dem Weg zu meiner Arbeit, handelt es sich um eine kurze Bootstour auf einem kleinen Kanal, Klong genannt. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war Bangkok durchzogen von einer Vielzahl dieser Klongs, weshalb der Stadt damals auch der Beinahme „Venedig des Ostens“ verliehen wurde. Im Laufe der zunehmenden Modernisierung der Stadt, wurden die meisten der alten Wasserstraßen zugeschüttet,

Einige der heute noch existierenden Kanäle werden mit kleinen Booten befahren. Dies ist eine sehr schnelle Art der Fortbewegung, da der fürchterliche Verkehr der Innenstadt auf diese Weise umgangen werden kann. Doch ein wirkliches Vergnügen ist eine Fahrt auf einem Klongboot nun wahrlich auch nun wieder nicht. Zum einen geht es dort recht ruppig zu, da die Boote nur kurz am jeweiligen Steg halten und man im wahrsten Sinne des Wortes an Deck springen muss. Zum anderen handelt es sich bei dem Wasser der Kanäle um eine pechschwarze, bestialisch stinkende Kloake, die klebrig von einer Uferseite zur anderen schwappt. Ganz besonders schlimm sind die Dämpfe, die dieser Brühe entfleuchen, wenn es länger nicht geregnet hat und die Sonne die dunklen Wassermassen erhitzt.

Der nachmittägliche Rückweg unterscheidet sich meistens kaum vom morgendlichen Hinweg. Die Boote schieben sich durch die miefende Brühe, die Vans durch den klebrig, zähen Verkehr.

Kaum bin ich jedoch dem Van entstiegen und sitze wieder auf meinem Rad, sind die Strapazen des Weges so gut wie vergessen. Während ich jedoch morgens auf verlassenen, einsamen Straßen unterwegs bin, die einzig von dort schlafenden Hunden bevölkert werden, entwickelt sich auf meinem Rückweg hier ein eifriges Treiben.

Die am Rande der Straße wartenden, spielenden oder dösenden Thais, schauen immer hoch erstaunt, wenn ich auf meinem Rad durch die dörfliche Idille flitze. Für sie muss es ein recht drolliges Bild abgeben, wie ich mit vor Anstrengung hochrotem Kopf und einer für solche Aktivitäten völlig unangemessen Kleidung (Anzugshose, Lederschuhe und schickes Hemd) mich auf meinem Mountainbike abmühe. Gelegentlich fügen sie ihren Blicken schüchterne „Hello“ oder „Hey you!“ Rufe bei, doch wehe ich wage darauf meinerseits mit einem „Hellooo“ zu antworten. Sogleich meine Antwort wahrgenommen ist, fangen sie schallend an zu lachen oder ziehen sich unauffällig in ihre Häuser zurück.

Diese tägliche Fahrradtour könnte so wunderbar und unbeschwert sein, wenn nicht am Ende meines Weges, etwa 400 Meter vor meiner Haustür, ein Monster wohnen würde, ein Hundemonster. Dieses possierliche Tierchen bekommt nur selten Auslauf und muss den Großteil seines trüben Lebens hinter einem großen Zaun verharren. Dieser Tatbestand ist einerseits für mich sehr vorteilhaft, da ich nur selten mit dem Vieh in Kontakt gerate. Andererseits ist der geringe Bewegungungsradius der Bestie auch höchst nachteilig, da es so ausgeruht und ausgehungert viel besser Jagd auf harmlose Radfahrer aus Norddeutschland machen kann.

Gleich bei meiner allerersten Fahrradtour machte ich Bekanntschaft mit dem Köter. Nichtsahnend wog ich mich sanft in eine der letzten Kurven meines langen Weges, bereitete in Gedanken schon mein Abendessen zu und sah mich plötzlich einer wilden Verfolgungsjagd mit diesem Monster ausgesetzt. Nur mit großer Mühe und unter Aufbietung meiner letzten Kräfte, konnte ich das Biest abschütteln. Voller Schrecken hatte ich registriert, dass die Bestie mehrmals versucht hatte, aus vollem Lauf mein Bein zu erreichen.

Inzwischen verfüge ich über etwas Übung im Umgang mit diesem Tier und kann es meistens durch ein lautes „Bai“ (Geh weg!) verscheuchen.

Es ist also ein vergleichsweise langer und gelegentlich recht beschwerlicher Weg, den ich täglich auf mich nehme, um aus der ländlichen Idylle in die geschäftige Metropole und auch wieder zurückzukommen. Doch sitze ich dann am frühen Abend am Ufer des kleinen Teiches, die sich im Wind biegenden Palmen betrachtend, eine kurz zuvor im Garten selsbtgepflückte Banane verspeisend, dann bin ich mir sehr sicher, dass sich die Anstrengungen lohnen.

Advertisements

Eis im Bier oder Bier im Eis?

DSC_0701

Gleichwohl ob im Taxi, bei der Arbeit oder auf dem Fußballplatz, angesprochen auf meine Nationalität, entspannt sich häufig eine Lobeshymne auf die Trinität der deutschen Exportschlager: Autos, Fußball und Bier. Dass an gleicher Stelle häufig auch ein gescheiterter österreichischer „Kunstmaler“ erwähnt wird, der sich später hauptberuflich dem Massenmord widmete, wird später, an anderer Stelle, erörtert.

Nachdem also die Vorzüge der deutschen Kraftfahrzeuge und der vermeintlichen Tugenden bezüglich des Ballsports in aller Ausführlichkeit erläutert worden sind, ist die Quantität wie Qualität des germanischen Gerstensaftes ein beliebtes Gesprächsthema.
Zuallererst muss dann zumeist die Vorstellung der Thais bezüglich der deutschen Trinkgewohnheiten korrigiert werden: „I have heard that Germans drink beer like we drink water“.

Dies ist zwar zugegebener Weise eine sehr amüsante Vorstellung und entsprach in der Vergangenheit mancher Orts der Realität,  doch ist ein solches Trinkverhalten, zumindest außerhalb von CSU-Parteitagen, nur noch selten anzutreffen.

Sind also alle bestehenden Vorstellungen und Vorurteile abgearbeitet, sollen die nationalen Eigenheiten dem Praxistest unterzogen werden, was dann heißt: Biertrinken und zwar nicht zu knapp. Bei gefühlten 300 Grad im Schatten und 500% Luftfeuchtigkeit ist dies ganz gewiss eine sehr angenehme Vorstellung. Zudem sind die drei führenden einheimischen Biere, trotz ihres recht milden und süffigen Geschmackes, durchaus trinkbar.

Leichtfertig werden also freundliche Einladungen zu nächtlichen Trinkgelagen bestätigt. Doch oh Graus, welch törichter Umgang mit dem heiligen Gerstensanft wird einem gewahr, sobald die erste Bierflasche geöffnet ist. So wagen die Thais es doch tatsächlich, das köstliche Gesöff massenweise mit Eiswürfeln zu verwässern. Haben hart arbeitende Mönche Jahrhunderte lang ihr Brot im Wasser gären lassen, damit dieses kostbare Kulturerzeugnis in solch schändlicher Art und Weise verunreinigt wird?

Wie dem auch sei, nachdem ich beim ersten Trinkgelage penibel darauf achtete, dass auch ja kein Eiswürfel den Weg in mein Bierglas fand, beneidete ich mit der Zeit meine Trinkkumpanen zunehmend. Während mein Bierglas im Laufe des Abends immer wärmer wurde und sein Inhalt die Temperatur von Kamillentee annahm, konnten die anderen Trinker sich dank des Eises stets eines kühlen Bieres gewiss sein. Zudem konnten sie von diesem auch eine deutlich größere Menge als ich zu sich nehmen, so stark war das eiskalte Bier verdünnt.

Mittlerweile habe ich mich den heimischen Gebräuchen angepasst und trinke mein Bier stets mit nicht weniger als drei Eiswürfeln, angenehm gekühlt. Und selbst in Deutschland, in dunklen Kneipen sitzend, am halbvollen Bierglas nagend, wünsche ich mir immer häufiger, neben der Flasche stünde ein Kübel, gefüllt mit taubeneiergroßen Eiswürfeln, wie ebendort im fernen Siam…

 

 

Im Café

Aufgrund einer aus Deutschland importierten Erkältung und einem gefühlten Temperaturunterschied zwischen Hannover und Nakhon Pathom von mindestens zweihundert Grad, beschloss ich die aktuelle Thailand-Expedition ein wenig gemächlich anzugehen.

In Nakhon Pathom bieten sich hierfür die unzähligen kleinen, zauberhaften Cafés und Restaurants an, die sich in der Nähe der Silpakorn Universität angesiedelt haben.

Dort döse ich vor mich hin, trinke literweise schrecklich süßen, aber nicht minder köstlichen Milktea, tue geschäftig und beobachte den Mikrokosmos „thailändisches Kaffeehaus“.

Hier werden Zeitungen gelesen (AutoBILD!?), Geschäfte abgeschlossen (Fußballwetten und Investmentbanking) und gelegentlich auch kleinere Nickerchen abgehalten.

Von Zeit zu Zeit entschließe ich mich dazu, die allgemeine Stimmung aufzuheitern und unterhalte die Anwesenden mit meinen Thaikenntnissen.

Am ersten Tag führten meine Stümpereien dazu, dass ich mich als Thailändisch-Lehrer ausgab. Zudem wurde mir erst am zweiten Tag bewusst, dass ich fortwährend nach Chai Yen, anstelle von Chaa Yen verlangte.

Somit bestellte ich nicht wie erhofft leckere Milkteas, sondern forderte die Damen und Herren auf, sie mögen doch bitte erst mal „schön locker bleiben“.

Als Reaktion auf diese Frechheit meinerseits wurde ich nicht des Lokals verwiesen, vielmehr servierte man mir mit mit einem Lächeln und der Betonung meiner hervorragenden Sprechkenntnisse die orang-ocker farbene Köstlichkeit.

So könnte es weitergehen…

7 Eleven

Diesen amerikanischen, systemgastronomischen Minisupermarkt, der sehr an Apus Kwik-E-Mart (Simpsons) erinnert, findet man in Thailand, vor allem in den große Städten, an wirklich jeder Ecke. Es gibt Filialen im Flughafen, in Krankenhäusern und in Universitäten. Es muss tausende davon geben. Man könnte in einem völlig unbekannten Stadtteil Bangkoks in eine beliebige Richtung gehen, ich garantiere, dass man kaum ins Schwitzen geraten würde, bis man die nächste 7 Eleven Filiale erreicht hätte.

Das Personal dieser Läden ist häufig sehr jung, spricht nicht selten ein sehr passables englisch und bedient seine Kunden meistens in einer sehr professionellen und freundlichen Art und Weise. Gelegentlich blicken die Damen und Herren an der Kasse jedoch ein wenig schläfrig in das grell erleuchtende Ladeninnere. Diese Läden sind rund um die Uhr geöffnet und sie haben oft lange Schichten in den Knochen.

In Anbetracht ihrer geringen Größe ist das Sortiment der Geschäfte enorm. Verschiedenstes Essen, Haushaltswaren und kleine Elektroartikeln lassen sich hier finden. Manchmal ist das Personal ob des eigenen Angebots selbst überfordert. Möchte man die Karte seines Handys aufladen, etwas zu Essen bestellen und gleichzeitig Rasierklingen kaufen, die sich hinter dem Tresen befinden, kann es ein wenig dauern, bis alle Wünsche verstanden und erfüllt sind.

Relativ lecker sind die Backwaren und die kleinen Snacks, die man in diesen Läden erwerben kann. Vor allem die unterschiedlichen Sandwichs, die guten Chili-Käse Würstchen, das Dim Sum und der etwas zu süße aber leckere, fortwährend in einem großen Kübel durchgeschüttelte Milktea, sind sehr zu empfehlen.

Aus irgendeinem Grund ziehen die 7 Eleven Filialen mit Vorliebe gestrandete und völlig verballerte Westler an, die an dem zu bemitleidetem Personal ihre angestaute Verrücktheit auslassen. Schon mehrere Male wurde ich Zeuge, wie die verängstigten Mitarbeiter, grundlos wüste Sachimpftiraden über sich ergehen lassen mussten. Das gipfelte darin, dass die völlig wirr schauenden „Farangs“ behaupteten sehr reich und einflussreich zu sein und damit drohten die Firma 7 Eleven zu verklagen. Als diese Ankündigung nicht die erhoffte Wirkung erzielte, wie auch immer sie aussehen gemocht habe, verließen sie wutschnaubend den Laden.

Exzentrische Tiger, durchgeknalle Elefanten und betrunkene Pandabären. T-Shirts in Bangkok

Es gibt sie in großen Einkaufszentren, in winzigen Boutiquen und haufenweise auf der grässlich lärmenden Khaosan Road. T-Shirts mit Comic-Motiven sind ein wahrer Verkaufschlager in Bangkok.

Die Motive variieren selbstverständlich stark in ihrer Qualität, Originalität und ihrem Humor. Zum Teil werden sie inzwischen von großen Ketten produziert und so professionell vermarktet und vetrieben, dass ich einige von ihnen auch in Deutschland gesehen habe.

Die schönsten Exemplare findet man aber in ganz kleinen Läden, an winzigen Ständen, dort wo der Künstler noch selbst seine Waren verkauft.

Karaoke und ich

Nein, ein begnadeter Sänger bin ich nicht, war ich nie und werde ich wohl auch nie sein. Ich kann schön laut aber nicht laut schön singen.

Der Reiz beim Karaoke liegt für mich aber auch nicht darin, selber ein Lied nach dem anderen zum Besten zu geben. Vielmehr erfreue ich mich daran, Teil dieser meist ausgelassenen Stimmung zu sein.  Es ist eine reines Vergnügen den Thais dabei zu zusehen, wie sie heimische Schlager und internationale Klassiker mitsingen, grölen und kreischen und dabei einen riesen Spaß haben.

Diese Partys finden in den unterschiedlichsten Lokalitäten statt und sind bei jung und alt gleich beliebt. Ich habe schon in durchdesignten Karaoke Bars, in Hinterzimmern von Restaurants und im Pavillon eines Museums „gesungen“.

Etwas amüssant finde ich dabei immer festzustellen, welche schrägen Lieder es zum Teil ins musikalische Gedächtnis der Thais geschafft haben. So ist die One Hit Wonder Band „Fools Garden“ mit ihrem Hit „Lemon Tree“ ebenso bekannt wie „Wind of change“ von den „Scorpions“. Diese Lieder sind nicht nur auf jeder Karoke Cd zu finden, die Thais können sogar die Texte auswendig mitsingen!

Selbstverständlich beteilige ich mich im Laufe so eines Abends auch mal an dem Spektakel und präsentiere Klassiker der Rockhistorie wie „Let it be“, „Wonderwall“, oder auch „Zombie“ von den „Cranberries“,voller Inbrunst und frei von jedem Talent. Seltsamerweise scheinen meine Neuinterpretationen den Thais zu gefallen, oder sie sind zu höflich um mir zu sagen wie mies es war. Zumindest nehmen sie meinen interessanten und bemühten Versuch, mich gesanglich zu betätigen, wohlwollend zu Kenntnis, übernehmen dann aber glücklicherweise wieder selber das Kommando und das Mikrofon. Ich wiederum habe meine Schuldigkeit getan und darf ihnen endlich weiter zuhören.

Aerobic und Eurodance

Einer meiner bevorzugten Erholungsplätze in Bangkok ist ein kleiner Park, der sich zwischen der lebendigen Phra Arthit Road und dem Chao Praya Fluss befindet. Neben vielen Bäumen, Sträuchern und Blumen, deren Namen sich meistens meiner Kenntnis entzieht, befinden sich in dem Park ein Paar schöne alte Gebäude, wie zum Beispiel ein Teakholzhaus direkt am Flussufer oder eine Art Wachturmanlage, die früher mal Teil der Stadtmauer war.

Genutzt wird der Park von einer bunten Mischung aus Thais und  Touristen, jedoch bevorzugen sie unterschiedliche Plätze und Aktivitäten. In den schattigen Bereichen am Rand des Parks findet man hauptsächlich Thais, die hier ein wenig Sport treiben oder sich ein kleines Schläfchen gönnen. Auf dem sonnigen Rasen in der Mitte und auf den Bänken am Flussufer, tummeln sich vor allem jonglierende Hippies und sich in der prallen Sonne aalende Touristen, die aber, sobald sie es wagen ihren bleichen Oberkörper der Öffentlichkeit zu präsentieren, von einem Parkwächter nett gebeten werden dieses doch zu unterlassen.

Dieses harmonisch vor sich hin dösende Ambiente verändert sich abrupt um Punkt 18 Uhr eines jeden Tages. Denn nun erklingt aus großen Lautsprechern die thailändische Nationalhymne und wie an allen öffentlichen Plätzen üblich, erheben sich die Thais hierzu umgehend, um andächtig zu lauschen. Die Touristen gucken meistens ein wenig irritiert, tun den Einheimischen aber gleich, um nicht weiter aufzufallen.

Sobald die letzten Klänge der Hymne verklungen sind, setzen sich die Parkbenutzer wieder, dafür erscheinen jetzt etwa 20 bis 30 sportlich gekleidete Damen verschiedenen Alters auf der Bildfläche, die sich vor der Uferpromenade aufbauen. Zudem wummert auf einmal fürchterlicher Eurodance aus den Boxen. Plötzlich erscheint eine sehr bestimmt drein schauende Dame, positioniert sich gegenüber der wartenden Frauengruppe und beginnt rhythmisch ein Paar Übungen vorzuturnen.

Ich gucke mir dieses vorbildliche Aerobic Schauspiel immer gerne ein paar Minuten an, lass die Damen dann aber in Ruhe ihre Übungen weitermachen. Zum einen möchte ich nicht weiter stören, zum anderen vertreibt mich der Lärm aus den Boxen.

Der Balkon im 9. Stock

Ich wohne im neunten Stock eines Apartmentblocks. Mein Balkon blickt direkt auf eine zehnspurige Straße, die von einer sechspurigen Autobahn überdacht ist. In der direkten Nachbarschaft befinden sich andere Apartmentblocks, Hotels und Einkaufzentren.

Man mag sich idyllischere Orte vorstellen können. Dennoch würde ich diesen Ausblick nicht tauschen wollen.  Auch wenn es paradox klingt, so ist dieses doch der ideale Ort um beim morgendlichen Kaffee oder dem Feierabendbier zu entspannen.