Ein Tempelmuseum entsteht II

Als ich das nächste Mal zum Museum kam, war dort die Arbeit schon merklich vorangeschritten. Einige Häuser waren bereits ansprechend geschmückt, die Objekte den verschiedenen Themenbereichen zugeordnet sowie das gröbste Ungeziefer beseitigt. Es galt jetzt, da der große Tag der Eröffnung kurz bevor stand, noch die letzten Hangriffe zu tun. Hierbei sollten insbesondere die zahlreichen Objekte so inszeniert werden, dass ihre ursprüngliche Verwendung auch für Laien ersichtlich sein würde. Dies sollte durch die im National Museum Nakhon Pathom erstellten Texttafeln und Objektbeschreibungen und einigen zusätzlichen, spektakulären Utensilien erfolgen.

Doch bevor es an die Arbeit ging, stand zunächst das Vergnügen im Vordergrund. Wie schon bei den vorigen Aufenthalten im Tempel, wurden wir auch dieses Mal bei unserer Ankunft von den Dorfbewohnern herzlichst begrüßt und aufgefordert, uns zunächst ausführlich und kräftig zu stärken. Obgleich ich bei meinen vorigen Besuchen hier schon kulinarisch vom feinsten verwöhnt worden war, übertraf das, was nun aufgetischt wurde jegliche Erwartungen. Uns wurden mehr als 20 kleine Schalen kredenzt, jede mit einer anderen Köstlichkeit gefüllt. Die Bandbreite der Speisen reichte von scharfen Currys, über deftige Suppen bis hin zu verboten süßen Nachtspeisen.

An dieser Stelle muss jedoch erwähnt werden, dass diese Speisen nicht extra unsertwegen zubereitet worden waren. Vielmehr war es ein Feiertag – der so genannte Wan Phra. Dieser wird in Thailand zu jedem Neumond zelebriert und ist insbesondere den buddhistischen Mönchen ein Fest, da sie an diesem Tag nicht um Spenden bittend früh morgens durch die Straßen ziehen müssen, sondern ihre Mahlzeit bequem in den Tempel gereicht bekommen. Wir bekamen somit die Reste, welche die Mönche übrig gelassen hatten. Doch dieses Buffet der Köstlichkeiten als Reste zu bezeichnen, wäre eine maßlose Untertreibung.

DSC_0433Nach dem reichhaltigem Mahl, ging es dann doch irgendwann an die Arbeit. Wir brauchten etwa zwei Stunden, bis alle Texte und Beschreibungen an den richtigen Orten platziert waren. Dann hieß es auf einmal: sie sind da!

Was dies zu bedeuten hatte, begriff ich, als ich auf den Tempel Vorplatz schaute. Dort waren gerade einige Lastwagen eingetroffen, die mit großen, hölzernen Ochsen beladen waren. Diese sollten, vor einen traditionellen Karren gespannt, die landwirtschaftliche Ausstellung veranschaulichen. Es dauerte jedoch einige Zeit, bis sie schließlich am richtigen Standort platziert waren.

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Als wir gegen Abend das Tempelgelände wieder verließen, waren alle Galerien und Außenbereiche fertiggestellt, feierlich geschmückt und auf Besucher vorbereitet.

Der große Tag konnte kommen…

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Ein Tempelmuseum entsteht I

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Die buddhistischen Tempel Thailands sind Orte der Ruhe, der Einkehr, der Religiosität und Spiritualität. Hier wohnen, beten und arbeiten die Mönche, hier finden die wichtigsten religiösen Feste und Rituale statt und sind die kostbarsten Heiligtümer aufbewahrt. Zugleich handelt es sich bei den Tempeln aber auch um über Jahrhunderte gewachsene soziale Keimzellen. Insbesondere in ländlichen Gebieten stellt der örtliche Wat (Tempel) den Kern des dörflichen Lebens dar und ist ein Treffpunkt für jung und alt. Nicht selten verfügen solche Tempel über kleine Schulen und Versammlungsräume, manche beheimaten sogar winzige Museen, in welchen ihre Schätze aufbewahrt und präsentiert werden.

Etwa zehn Kilometer nördlich der Kleinstadt Kamphaeng Saen befindet sich der Tempel Wat Phongam, dessen weitläufiges Gelände über prachtvolle Pagoden, eindrucksvolle goldene Buddhastatuen, eine kleine Tempelschule sowie einen dichten Bambuswald verfügt, dessen Schattenplätze zum ausgiebigen meditieren einladen. Auf der Anlage des Tempels hatten sich im Laufe der Zeit zudem unzählige Objekte unterschiedlichster Art und Herkunft angesammelt, die sich in den Räumlichkeiten stapelten und die inzwischen größtenteils in Vergessenheit geraten waren. Sie stammen aus den Sammlungen der Äbte, aus Spenden und den Hinterlassenschaften der Dorfbewohner.

Der derzeitige Abt beschloss bei einer Besichtigung der Speicher, dass diese Zeugnisse des dörflichen Lebens nicht länger vor sich hin rosten, schimmeln und gammeln sollten, sondern zurück ins Bewusstsein der Dorfgemeinschaft gehörten. Ein kleines Museum sollte her, welches den Objekten eine würdige neue Heimstätte bieten und zeitgleich das traditionelle ländliche Leben abbilden und illustrieren sollte.

Einige Zeit später, in welcher administrative Hürden genommen und Geld aufgetrieben werden musste, konnte die Arbeit beginnen. Unterstützt durch die Mitarbeiter des National Museums Nakhon Pathom, welche den Aufbau des Museum mit Rat, Tat und professionellem Sachverstand begleiten sollten, wurden die vorhandenen Objekte und Räumlichkeiten besichtigt und Pläne für das neue Museum geschmiedet. Ich selbst bin dem National Museum Nakhon Pathom sehr verbunden und seinetwegen schon in den Genuss so mancher fantastischer Veranstaltung gekommen. Daher erklärte ich mich selbstverständlich bereit, das Projekt mit meinen Ideen, meinen Händen und auch meinem Schweiß zu unterstützen.

Neben den Mitarbeitern des Museums und meiner Wenigkeit, hatten sich auch einige Kinder der Tempelschule und etliche ältere Dorfbewohner bereit erklärt, bei der Errichtung des Museums zu helfen. Als wir die Tempelanlage erreichten, erwartete uns bereits eine neugierige und voller Arbeitseifer strotzende Menge.

Zu Beginn mussten die vorhanden Objekte, die sich zu wahren Gebirgen in den Verschlägen des Tempels auftürmen, gesichtet, gesäubert, katalogisiert und verschiedenen Themen und Oberbegriffen zugeordnet werden. Hierbei war eine verblüffende, sich natürlich einstellende, Arbeitsteilung zu beobachten. Während die Jungen und Mädchen rasant von einer Ecke zur anderen flitzten und sich einander in der Anzahl der Gegenstände, die sie gleichzeitig tragen konnten, überboten, waren die „Professionellen“ darum bemüht dem ganzen einen Rahmen zu geben, wenn möglich die administrative Ordnung nicht ganz aus den Augen zu verlieren und Gegenstände aufzufangen, falls diese den Kindern in ihrem Eifer doch einmal aus den Händen rutschen sollten.

Die älteren Dorfbewohner standen etwas abseits und verfolgten das wuselige Treiben mit einer beneidenswerten Gelassenheit. Immer dann jedoch, wenn sowohl die Schulkinder als auch die „Professionellen“ ein Objekt mal so gar nicht zuordnen konnten, schlug ihre Stunde. Mit einem Male erwachten sie aus ihrem Schlummerzustand und verfielen in fachkundige Diskussionen über Art, Herkunft und Gebrauch des jeweiligen Gegenstands. Nicht selten wurden ihre Erklärungen mit spontanen Pantomimen und Schwänken aus ihrer Jugend veredelt.

Die meisten Objekte konnten der Jagd, der Landwirtschaft und dem Handwerk zugeordnet werden, es fanden sich jedoch auch zahlreiche religiöse Ornamente, Musikinstrumente, und Kochutensilien. Bei meinem Lieblings-Fundstück handelte es sich um einen Fleischwolf, tschechisch-sozialistischer Bauart, sehr ähnlich zu der Maschine, mit welcher meine geliebte Großmutter Weihnachten für Weihnachten die Zutaten für ihren köstlichen Gänsehals verquirlt hatte.

In der Mittagspause erlebte ich einen jener Thailand-Momente, die mich dieses Land und seine Menschen so sehr schätzen lassen. Etwa sieben herzallerliebste Damen jenseits der siebzig, setzen sich an meinen Tisch und überboten einander mit den kulinarischen Köstlichkeiten, die sie selbstredend eigenhändig zubereitet hatten. Kaum hatte eine Deliktesse meinen Gaumen verlassen, landete bereits der nächste Hochgenuss auf meinem Teller. Zudem quittierten sie jedes einzelne meiner thailändischen Worte mit einer Jubelarie und einem Lächeln, das ganze Eisberge zum schmelzen hätte bringen können. Als sie dann noch zum Nachtisch Kanom Mor-Gaeng servierten, eine Süßspeise aus Ei und Kokosmilch, die ich als eine Art thailändische Crema Catalana bezeichnen würde, hätte ich allen sieben am liebsten einen dicken Schmatzer verpasst.

Am Nachmittag wurden dann die Ausstellungsräume gesäubert, wobei ich Bekanntschaft mit einem Kakerlakennest und gefährlich, bunt schimmernden Spinnen machte. Anschließend wurden die Objekte den unterschiedlichen Ausstellungsbereichen zugeordnet und in den Vitrinen platziert. Insgesamt entstanden acht Ausstellungsräume, welche die verschiedenen Facetten des traditionellen ländlichen Lebens in Thailand thematisieren.

Als die Kinder, die wirklich lange Zeit tapfer und ausdauernd mitgeholfen hatten, begannen sich selbst, anstelle der Objekte mit dem Hochdruckreiniger zu säubern, mit den Karren Wettrennen veranstalteten und weiteren Blödsinn anstellten, beschlossen wir die Arbeit für den ersten Tag zu beenden. Wir würden aber wiederkommen. Noch lag viel Arbeit vor uns…

Tour in den Norden II

Der zweite Teil meiner kleinen Reise in den Norden Thailands, die zum Ziel hatte die unterschiedliche Darstellung des Zeiten Weltkriegs in den verschiedenen Museen unter die Lupe zu nehmen, begann früh morgendlich am Busbahnhof von Chiang Mai.

Nachdem ich Tags zuvor bereits das sehr eindrucksvolle Seri Thai Museum in Prae besichtigt hatte, sollte es nun in das kleine Bergdorf Khun Yuam gehen. Dieses liegt ganz im Nordwesten des Landes, unweit der Grenze zu Myanmar. In dieser Region waren während des Zweiten Weltkriegs viele Japanische Soldaten stationiert. Khun Yuam fungierte als eine Art Ausgangsbasis für die Expeditionen nach Burma. Anders als in vielen Regionen des Landes wurden die Japaner hier von der einheimischen Bevölkerung jedoch nicht als Feinde oder Eindringlinge wahrgenommen. Die vorher teilweise marginalisierte Bevölkerung war den Japanern gegenüber deutlich aufgeschlossener als anderorts. Es entwickelten sich profitable Handelsbeziehungen, Freundschaften und in einigen Fällen sogar Liebesbeziehungen zwischen Thailändern und Japanern. Das Thai-Japanese-Friendship-Memorial Museum schildert die Erfahrungen dieser Menschen, zeigt auf diese Weise eine ganz andere Perspektive auf den Zweiten Weltkrieg und hatte daher mein Interesse auf sich gezogen.

Obwohl Chiang Mai nur etwa 300 Kilometer von Khun Yuam entfernt liegt, ist die Reise zwischen diesen beiden Orten äußerst umständlich, versperren doch etliche hohe Berge die Passage. Lediglich eine Buslinie macht sich dreimal am Tag auf diese beschwerliche Reise. Ich wusste vorher, dass diese Ochsentour sieben Stunden dauern sollte. Ich wusste allerdings nicht, dass hierbei Busse eingesetzt werden, die ungefähr in dem Jahr gebaut wurden als Christopher Columbus Amerika entdeckte. Ein uralter, vom Rost zerfressener Haufen Altmetall, sollte mich und die anderen etwa vierzig Reisenden sicher ans Ziel bringen. Das konnte nicht gut gehen. Ging es schlussendlich auch nicht. Aber immer der Reihe nach.

Zunächst machte sich der Schrotthaufen in vollem Tempo, als wolle er meiner Skepsis ein Schnippchen schlagen, eifrig ans Werk und auf die Reise. Zügig ging es aus der Stadt heraus und hinein ins Gebirge. In Ermangelung einer Klimaanlage oder funktionierender Ventilatoren waren während der Fahrt fortwährend beide Türen geöffnet. Dies förderte zwar frische Luft ins Wageninnere, erschien mir aber angesichts der unruhigen Fahrweise des Busses etwas riskant. Überhaupt schien der Bus mit den vielen Serpentinen und den steilen Hängen seine liebe Not zu haben. Er fauchte und ächzte, stöhnte und spuckte was das Zeug hielt. Angesichts des Geräusches des Motors hätte man bei geschlossenen Augen denken können der Wagen führe in affenartiger Geschwindigkeit die Berge hinauf. Bei offenen Augen sah man aber, dass der Bus trotz des schrecklichen Getöses keine zwanzig Stundekilometer mehr auf die Piste brachte. Zu allem Unglück entwickelte das Gefährt plötzlich die Angewohnheit alle fünf Minuten stehen zu bleiben. Das waren keine all zu guten Vorzeichen, waren wir doch gerade mal zwei Stunden unterwegs.

Nachdem sich der Bus noch eine weitere Stunde lang in Schrittgeschwindigkeit die steilen Hänge hoch gemüht hatte, kam er an einer kleinen Lichtung endgültig zum stehen. Der sichtlich zerknirschte und beschämte Busfahrer erklärte nach einem kurzen Blick auf den Motor, dass dieser Bus nicht weiterfahren könne. Wir sollten auf den nächsten Bus warten, der in etwa zwei Stunden diese Stelle passieren müsse. Diese Nachricht schockierte mich nicht sonderlich. Es war schon vorher abzusehen, dass diese Schrottkiste die etwa 150 Kilometer bis nach Khun Yuam nicht mehr würde bewältigen können. Ich war zudem froh ein wenig an die frische Luft zu kommen und begann die Landschaft zu erkunden. Die Lichtung an welcher der Bus endgültig seinen Dienst eingestellt hatte, bestand nicht wie die Wälder weiter bergab aus tropischem Regenwald. Vielmehr erblickten meine ungläubigen Augen, dass sich hier etliche Tannen aneinander reihten, vor denen einige duzend Kühe friedlich auf einer saftig grünen Wiese grasten. Ich wähnte mich eher im Schwarzwald als in Thailand. Dass dies doch nicht der Schwarzwald war erkannte ich, als mir auf einer kleinen Erkundungstour eine etwa handgroße, giftig  bunt glitzernde Riesenspinne begegnete. Ich zog mich vorsichtig zurück und war von nun an weniger erkundungslustig.

Als der nachfolgende Bus endlich eintraf entpuppte sich dieser äußerlich als etwas robuster und rüstiger als sein Vorgänger. Unglücklicherweise war er jedoch bereits vollkommen mit Passagieren vollgestopft. Die kommenden drei Stunden verbrachte ich stehend, in leicht gekrümmter Haltung, einzig damit beschäftigt die ständigen Richtungswechsel des Busses mit meinem Körpergewicht auszugleichen, um nicht auf die vor mir platzierten Thais zu stürzen. Meine Hände füllten sich mit der Zeit ganz taub an, so fest krallte ich mich an die Haltegriffe. Meine Knie wiederum begannen ob der unnatürlichen Haltung die ich ihnen zumutete einen stechenden Schmerz an mein Gehirn zu senden mit der klaren Botschaft: Mach etwas oder wir platzen! Nach einiger Zeit lehrte sich der Bus ein bisschen und ich konnte den Rest der Fahrt sitzend verbringen.

Etwa gegen halb fünf war die Tortour überstanden und der Bus endlich in Khun Yuam angekommen. Zeit meine Wunden zu lecken bestand kaum, hatte das Museum laut meiner Informationen doch nur noch eine halbe Stunde geöffnet. Ich machte mich also umgehend zu dem Museumsgelände auf. Als ich dort angekommen war, hatte ich zunächst Zweifel am richtigen Ort zu sein. Das eindrucksvoll große und neu glänzende Museumsgebäude stimmte nicht mit den Bildern überein, die ich vorher mühsam im Internet zusammengesucht hatte. Es stellte sich heraus, dass das alte Museum, welches sich auf demselben Gelände befunden hatte, geschlossen und durch ein komplett neues Museum ersetzt worden war. Das ursprüngliche Museum war von einem Einheimischen eröffnet und von dem japanischen Staat reichlich und nicht ganz uneigennützig gefördert worden. Soweit ich gehört und gelesen hatte, wurde hier früher eine Version des Zweiten Weltkriegs präsentiert, in welcher die Japaner durchweg in einem positiven Licht dargestellt wurden, als Befreier ihrer asiatischen Brüder und Schwestern.

Das neue Museum, das vom thailändischen Fine Arts Department getragen wird, verfügt nicht nur über ein ästhetisch sehr ansprechendes Design, sondern präsentiert auch eine deutlich ausgewogenere Sicht der Dinge. So werden die Umstände der japanischen Expansion nüchtern und umfassend erläutert, ohne in die revisionistischen Töne des Vorgängers zu verfallen. Gleichzeitig finden aber auch die Erinnerungen der Dorfbewohner und ihre positiven Erfahrungen mit den Japanern genug Beachtung. Einige Beispiele des positiven Zusammenlebens werden hervorgehoben und besonders detailliert beschrieben. Besonders der Film, der in einem extra Raum gezeigt wird, geht auf die Erinnerungen der Bewohner Khun Yuams ein. Hier werden Ausschnitte aus Interviews mit Zeitzeugen gezeigt, unter ihnen auch eine Dame, die sich in einen der japanischen Soldaten verliebte und von diesem zwei Söhne bekam.

Von den Reisestrapazen mittlerweile völlig erschöpft, suchte ich mir bald nach dem Museumsbesuch ein kleines schnuckeliges Hotel. Es war in einem alten Holzhaus untergebracht und lag direkt am Hang. Die Sicht auf die umliegenden Berge war großartig.

Am nächsten Tag besichtigte ich den Tempel Wat Muay Tor, auf dessen Gelände sich während des Zweiten Weltkriegs ein Krankenhaus für die verletzten japanischen Soldaten befunden hatte. Es fanden sich hier ein paar Gräber mit japanischen Inschriften, sowie ein erst im letzten Jahr errichtetes Denkmal, dass an die verstorbenen japanischen Soldaten erinnert und die Unterstützung durch die Dorfbewohner hervorhebt.

Um fünf Uhr Nachmittags bestieg ich den Bus, der mich in einer Fahrt von fünfzehn Stunden wieder nach Bangkok bringen sollte. Es war ein nagelneuer Dopperldecker, dessen Luxuseinrichtung einen krassen Gegensatz zum Gefährt des Vortags darstellte. Doch auch dieser Luxusschlitten hatte mit dem unwegsamen Gelände so seine Probleme. Eine extrem heftige Steigung machte ihm besonders zu schaffen. Nachdem er an dieser zwei Mal gescheitert war, stieg der Busbegleiter aus und bugsierte zwei riesige Steine hinter die Hinterräder des Busses. Mit dieser kleinen Starthilfe erklomm der Bus schließlich die Rampe. Der Busfahrer wollte wohl kein weiteres Risiko eingehen und fuhr bis zum Berggipfel in einer Tour durch, ohne auf den Reisebegleiter zu warten. Ich konnte aus dem Fenster sehen, wie dieser einige Kehren unter dem Bus einen Spurt einlegte. Es sah recht lustig aus, wie er sich in seiner samtigen Uniform mit hochrotem Kopf den Berg hinaufquälte. Mit diesem Bild im Kopf schlief ich ein und wurde im Massagesessel gemächlich nach Bangkok kutschiert.