Vertretungsstunde Sport

Wenn ich für gewöhnlich einen Klassenraum betrete, muss ich mich zunächst durch Horden herum tollender Schüler hindurchkämpfen. Habe ich das Pult schließlich erreicht, dauert es mindestens zwei Minuten, bis alle Schüler sich erbarmt haben, zu ihren Plätzen zurückzukehren. Weitere zwei Minuten nehmen dann die Begrüßungszeremonie sowie das zeitlupengleiche Hervorholen der Bücher in Anspruch.

An diesem Donnerstag hingegen war alles anders.

Im Klassenraum einer zweiten Klasse saßen etwa 30 strahlende Kinder, die mich mit großen Augen neugierig und wohlwollend anblickten. Als sie erfuhren, dass ich an diesem Tag die Vertretung ihres Sportlehrers übernehmen würde, brach eine Jubelorgie aus, als wäre Thailand gerade Fußballweltmeister geworden. Ein Schüler ging sogar auf die Knie und vollzog einige Bewegungen, die wohl Anbetungen darstellen sollen.

Dass ich an diesem Tag meine Premiere als Sportlehrer geben würde, hatte ich selbst keine zehn Minuten zuvor erfahren. Ein Kollege hatte sich krank gemeldet, ich zwei Freistunden, also keine Frage: Teacher Felix, bitte übernehmen sie! Keinerlei Erfahrung als Sportlehrer, nicht mal ansatzweise adäquate Sportbekleidung zur Hand und das Thema des Unterrichts nicht in Erfahrung zu bringen – alles kein Problem: „Up to you!“

Da an diesem Tag jedoch die Fußball WM in Brasilien begonnen hatte und ich ein hoffnungsloser Fußballfanatiker bin, fiel es mir nicht sonderlich schwer, den Inhalt der Stunde zu bestimmen. „Zieht euch eure Schuhe an und nehmt ordentlich Wasser mit. Wir gehen kicken!“ Wieder brach ein ohrenbetäubender Jubelsturm aus, der so laut war, dass ich befürchtete, die anderen Lehrer könnten denken, der Deutsche ziehe irgendeine fiese Propagandanummer durch.

Ein paar besonders enthusiastische Jungs in der ersten Reihe sprangen von ihren Sitzen auf, in der Absicht mir um den Hals zu fallen, was ich nur dadurch verhindern konnte, dass ich mir spontan den Ball schnappte und geschwind Richtung Ausgang schritt. Keine fünf Minuten später waren wir an der Sportanlage eingetroffen.

Die Schule verfügt über mehrere Basketballplätze, einen Fußballkäfig sowie ein Fußballfeld, dessen saftig grün glänzender Rasen sich stets in einem fantastischen Zustand befindet. Es war also alles angerichtet für ein ordentliches Match.

Nach einer kurzen Aufwärmphase und der Verteilung der Mannschaften – auf ausdrücklichen Wunsch der Klasse Mädchen gegen Jungs – konnte das Spiel beginnen. Wie ein wilder Bienenschwarm stürzten sich alle Schüler auf den Ball, mehr fielen und stolperten sie, als dass sie rannten. Bald war der Ball nicht mehr zu entdecken, ob der unzählbaren Kinderkörper, die diesen umgaben. Zu sehen war lediglich ein riesiges Schülerknäuel, welches sich mal zehn Meter in die eine und kurz darauf zehn Meter in die andere Richtung bewegte.

Die Mädchen hielten sich sehr tapfer und warfen sich ihren männlichen Klassenkameraden entgegen, was durchaus wörtlich zu verstehen ist. Nach einigen Minuten lichteten sich die Reihen der Damen jedoch merklich. Bald saßen mehr von ihnen neben dem Platz, als auf diesem spielten. Die Jungs konnten die sich nun einstellende Überzahl nutzen und erzielten in kurzer Zeit zwei Tore.

Die Stimmung drohte nun zu kippen, die Mädels schienen die Lust zu verlieren, ein Hauch von Revolution hing in der Luft. Ich entschloss mich also auf Seiten der Mädels in das Spielgeschehen einzugreifen. Ich entledigte mich meiner Krawatte, krempelte die Ärmel hoch und sprintete dem Ball entgegen, was angesichts der rutschigen Anzugsschuhe ein relativ schwieriges Unterfangen war.

Es gelang mir schließlich den Damen zwei Vorlagen zu servieren, welche diese mustergültig zu verwandeln wussten. Dass die Jungs schließlich noch ein weiteres mal einnetzen und somit das Spiel mit 3:2 für sich entscheiden konnten, wog am Ende nicht mehr ganz so schwer. Mit diesem Ergebnis waren beide Seiten zufrieden.

Völlig verschwitzt und abgekämpft kehrten wir nach etwa 30 Minuten wieder ins Klassenzimmer zurück, wo ich den Schülern noch einige Fußball Vokabeln und Anekdoten mit auf den Weg gab.

Nächster Schritt Sportlehrer? Warum eigentlich nicht…

Babylon im Lehrerzimmer

Die ausländischen Lehrkräfte an meiner Schule sind in einem separaten Bereich untergebracht und auf zwei Lehrerzimmer verteilt. Das Lehrerzimmer, in dem sich auch mein Pult befindet, beherbergt „Pädagogen“ aus insgesamt acht verschiedenen Ländern.

Die größten Gruppen machen die zynischen und aus Prinzip mit allem unzufriedenen US-Amerikaner, die stillen, höflichen und stets unter sich bleibenden Chinesen sowie die immer gut gelaunten Filipinos aus. Hinzu kommen noch ein Pole, ein Engländer, ein Schwede, ein Schotte und ich.

Obgleich alle Insassen dieses Raumes der englischen Sprache mehr oder weniger mächtig sind, was an einer bilingualen Schule auch zu erwarten wäre, herrschen doch elementare, kaum überbrückbare Sprachbarrieren. Denn acht verschiedene Nationalitäten sind in diesem Fall gleich zu setzen mit mindestens acht unterschiedlichen Arten englische Wörter auszusprechen, zu betonen oder gar zu interpretieren.

Ein reines Vergnügen ist es beispielsweise eine Konversation zwischen dem Schotten und den Amerikanern zu verfolgen. Kein Satz, auf den nicht eine Nachfrage erfolgt, kein Wort ohne Stirnrunzeln. Einfach köstlich. Es ist, als ob ein oberbayrischer Milchbauer in einer Postfiliale im Erzgebirge, eine Konversation über das deutsche Reinheitsgebot beginnt und als Antwort eine Schilderung der passiven Abseitsregel erhält.

Die kulturelle Vielfalt hat natürlich auch ihre kaum zu leugnenden Vorteile. Sobald die Mittagspause begonnen hat, ist der Raum erfüllt mit den Gerüchen unterschiedlichster Gerichte. Insbesondere die Chinesen und die Filipinos verköstigen dann selbst gemachte einheimische Speisen, von denen sie auch gerne gönnerisch etwas abgeben.

Die Europäer und Amerikaner wiederum erweisen sich als etwas genügsamer und verzerren zumeist von daheim mitgebrachte Brote. Sie verfügen dafür aber über umfangreiches Wissen über die besten Pizzerias und Bierbars der Stadt. Immerhin etwas.

Generalprobe vergeigt, die Premiere durchwachsen – Der erste Schultag (mit Schülern)

 

Heißt es in der Welt des Theaters nicht, dass einer wirklich gelungenen Premiere eine total verkorkste Generalprobe vorausgehen sollte?
Dieser Maxime folgend, leistete ich mir ein Paradebeispiel der Peinlichkeiten, noch bevor ich auch nur ein einziges Wort an meine Schüler gerichtet hatte. Um bestmöglich vorbereitet in die ersten Schulstunden zu gehen, lief ich am letzten Tag der Vorbereitung noch einmal das Schulgebäude ab, in der Absicht mir die Nummer der Klassenräume zu notieren, in denen ich meinen Einstand geben würde. Es war bereits nach vier, die Kollegen schon auf dem Heimweg und ich der einzige Lehrer auf weiter Flur. Vor den Räumen standen zwei Putzfrauen, die mir erst freundlich das Raumsystem erklärten, dann aber merkwürdig zu grinsen und kichern anfingen. Als ich mich ein paar Meter entfernt hatte, wurde aus dem Kichern ein regelrechter Lachanfall. Ich schaute an mir herunter und sah, dass mein Hosenstall sperrangelweit offen stand.

Am nächsten Tag traf ich dennoch gut gelaunt, gleichzeitig aber fürchterlich aufgeregt, in der Schule ein. Nun war er tatsächlich gekommen, der erste Tag als Lehrer an einer thailändischen Schule! Um kurz vor acht versammelten sich alle Schüler und Lehrer auf dem Vorplatz der Schule. Nachdem die Fahne gehisst, die Hymne gesungen und ein Gebet gesprochen worden war, kehrten die Lehrer völlig verschwitzt in das auf 17 Grad künstlich heruntergekühlte Lehrerzimmer zurück, während die Schüler noch ein wenig marschierten. Doch bald darauf strömten die Massen zurück ins Schulgebäude. Ein unmissverständliches Signal, dass es jetzt losgehen sollte.

Kurz darauf stand ich dann auch im Klassenraum einer neunten Klasse, vor mir 35 Teenageraugenpaare, die mich fragend bis irritiert anblickten. Nach einer gefühlten Ewigkeit begrüßten mich die Schüler schließlich im Chor: „Good morning, teacher Felix“. Ich hätte darauf antworten sollen: „Good morning, class, how are you today“? Hierauf hätten sie wiederum gesagt, dass es ihnen blendend ginge und sich nach meinem Zustand erkundigt. Das ganz normale Prozedere am Anfang jeder Stunde eben. Leider war mir dieses Ritual noch nicht geläufig, weshalb ich mindestens genauso verwirrt schaute wie die Schüler.

Irgendwann war jedoch auch dieses Missverständnis behoben und ich konnte beginnen. Meinem Plan folgend, stellte ich mich kurz vor und bat die Schüler anschließend, mir dieses gleich zu tun. Hierbei sollten sie mir ihren Namen mitteilen sowie etwas aufzählen, was sie mochten und etwas, was sie nicht ausstehen könnten. Während die wissbegierigen Mädels in den ersten Reihen motiviert loslegten, entglitt mir der Rest der Klasse zunehmend. Sie kannten sich doch untereinander bereits und fanden es viel spannender durch die Klasse zu hüpfen und sich laut schreiend und lachend von ihren Ferienerlebnissen zu berichten.

Ein Schüler, der seine ersten Barthaare stolz als Schnäuzer zur Schau stellte, fiel hierbei besonders unangenehm auf. Nachdem ich ihn bereits dreimal ermahnt hatte und er immer noch nicht zur Ruhe kommen wollte, bat ich ihn zu mir nach vorne und forderte ihn auf, sich mir nun vorzustellen. Er sagte: „My name is Felix, I like Felix, I don’t like Felix” und lachte dabei schelmisch über seinen gelungen Streich. Nach dem drittem mal Nachfragen erbarmte er sich schließlich doch und teilte mir seinen Namen mit. Selbstredend habe ich mir diesen jungen Mann im Geiste als potentiellen Musterschüler vorgemerkt.

Diese vermaledeite Vorstellungsrunde erwies sich je länger sie dauerte als ein ziemliches Eigentor. Quälend lange suchten die Schüler nach Antworten auf meine ach so komplizierten Fragen, welche ich dann zumeist kaum verstehen konnte, hatte doch der Lärmpegel im Klassenraum inzwischen Düsenjäger Qualitäten angenommen. Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir schließlich in der letzten Reihe angekommen und ich war gerade dabei, die Hoffnung wieder zu gewinnen, doch noch zumindest etwas thematisch einsteigen zu können, da stand plötzlich eine Lehrerin in der Tür und erklärte knapp, dass die Klasse jetzt zu einer Ansprache der Direktorin müsse und die Stunde nun beendet sei. Es verging keine Minute und ich stand alleine im Klassenraum. Ich fühlte mich wie ein miserabler Circusclown, dem die Zuschauer abhanden gekommen waren.

Zwei Stunden später versuchte ich mein Glück, meine vorbereiteten Spiele und Inhalte erneut aus, dieses mal an einer achten Klasse. Zwar durfte ich nun die komplette Unterrichtszeit im Klassenraum verweilen, doch gestaltete sich die Zeit in diesem so chaotisch, unbefriedigend und vor allem ohrenbetäubend laut, dass ich bereits 5 Minuten vor dem eigentlichen Ende die Segel strich und zurück ins eisige Lehrerzimmer schlich.

Nun völlig desillusioniert und innerlich schon den Koffer für die Rückreise nach Deutschland packend, beschloss ich mir und den Schülern noch einen einzigen, einen letzten Versuch zu gönnen. Danach könnte ich das Experiment als Lehrer immer noch als gut gemeinten, jedoch völlig gescheiterten Versuch abbrechen.

Meinem Unterrichtsplan, der sich in den letzten Tagen beinahe stündlich verändert hatte, konnte ich entnehmen, dass ich nun eine siebte Klasse unterrichten sollte. Mit dem Mut der Verzweiflung betrat ich den Klassenraum voller Schwung und begann mein inzwischen etwas modifiziertes Vorstellungsprozedere abzuspulen. Anschließend stieg ich nahtlos in den Unterrichtstoff ein. Zu meiner völligen Verwunderung war diese Klasse sehr ruhig, freundlich, aufgeschlossen und arbeitsfreudig. Ich vermutete einen Trick, eine Falle oder zumindest eine irgendwo versteckte Kamera, doch die Schüler verhielten sich die ganze Stunde über völlig zauberhaft und nahmen es mir noch nicht einmal Übel, dass ich ihnen in meiner Unkenntnis ihre fünfzehn minütige Pause stibitzt hatte.

Nach sage und schreibe 65 Minuten Unterricht verabschiedeten sie mich freundlich und ich ging dann doch mit einem relativ guten Gefühl nach Hause. So konnte das Unterrichten also auch sein. Darauf ließe sich aufbauen…

 

Doch nicht die Lüneburger Heide. Kobra und Waran als ungebetene Wochenendgäste.

Ich lebe auf einer ehemaligen Obst- und Palmenplantage. Umgeben von Bannanbäumen, Kokospalmen, Limettensträuchern und unzähligen exotischen Blumen, steht das Haus, in dem ich wohne auf einem kleinen Teich, im Herzen der Anlage. Die Plantage ist zudem von einem System an Kanälen durchzogen, die vormals der Bewässerung der Pflanzen dienten und in denen sich inzwischen Fische, Schildkröten und Frösche eingenistet haben. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich außerdem Obstplantagen und raumgreifende, saftiggrüne Reisfelder.

Selbstredend ist mir bewusst, dass sich in solch tropischen Gefilde auch so manch unangenehmes und giftiges Getier herumtreibt, doch blende ich Gedanken dieser Art zumeist aus, wenn ich einmal eine Erkundungstour durch die Anlage unternehme. Ich fühle mich hier sicher und wohlbehaglich, als unternähme ich einen Spaziergang in der Lüneburger Heide.

Dieses Wochenende jedoch hatte sich das Getier offensichtlich vorgenommen, mir ein für alle mal deutlich zu machen, dass dies alles ist nur nicht die Lüneburger Heide.

Am Samstag befand ich mich auf einer kleinen Einkaufstour in Bangkok und erfuhr daher von den Ereignissen erst im Nachhinein, bei meiner Heimkehr. Folgendes Drama hatte sich während meiner Abwesenheit abgespielt. Der Neffe meiner Freundin saß entspannt auf der Veranda und beobachtete unsere Hunde, die aufgeregt bellend und knurrend vor einem kleinen Erdloch herumliefen. Da die drei aber bei jeder kleinen Schildkröte ausflippen, dachte er sich nichts weiter dabei.

Plötzlich erblickte er eine Kröte, die leblos vor eben diesem Loch lag. Nun doch neugierig geworden, stocherte er in dem Loch herum und weckte hierdurch eine mehr als einen Meter lange Kobra aus ihrem Mittagsschlaf, die kurz darauf schlecht gelaunt aus ihrem Unterschlupf schlüpfte. Während der Neffe schnell das Weite suchte, entbrannte zwischen den Hunden und der Schlange ein wilder Kampf, welchen erstere schließlich für sich entscheiden konnten. Mit einem beherztem Biss mitten hinein in den Schlangenkörper und ein paar wilden Schleuderbewegungen, beendete Hundedame Kiwi das Duell für sich.

Als ich am nächsten Tag über meinen Unterrichtsvorbereitungen saß, machten die Hunde erneut einen Mordskrach. Von den Ereignissen des Vortages etwas eingeschüchtert, machte ich mich mit massivem Gartenwerkzeug bewaffnet auf, um nachzusehen, was die Köter den dieses Mal entdeckt hätten.

Ich musste einige Meter laufen, bis zu einem der Kanäle am äußeren Ende der Plantage. Dort sah ich die drei wild auf und ab hüpfen und plötzlich entdeckte ich auch den Grund für dieses Spektakel. Umringt von den Hunden kroch ein Waran, in einer Größe, wie ich sie in Thailand noch nicht gesehen hatte. Ohne Übertreibung war dieser Drachen bestimmt zwei Meter lang und hatte einen Kopf mit dem Umfang eines Basketballs.

Ich hatte keinerlei Vorstellung davon, wie ich mit diesem Ungetüm fertig werden sollte. Als in Deutschland sozialisierter Mensch, fehlt es einem doch etwas an Erfahrungsschatz, im Umgang mit solchen Monstern. Ich schrie den Waran erst mal an, klatsche in die Hände und fuchtelte wenig motiviert mit meiner Waffe herum.

Mein kleiner Kriegstanz schien das Vieh aber ebenso wenig zu beeindrucken, wie das Gebell und Gehüpfe der Hunde. Plötzlich stand der Vater meiner Freundin neben mir und ehe ich mich versehen konnte, hatte er eine Kokosnuss in der Hand und warf sie dem Ungeheuer in einem hohen Bogen direkt auf den Kopf.

Dieser Treffer zeigte sogleich die erhoffte Wirkung und der Waran machte langsam kehrt und lies sich behäbig in den Kanal hinabgleiten. Zurück blieben der Vater, der alte Groswildjäger und ich, mit einer leichten Sehnsucht nach der Lüneburger Heide.

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Der Tag, an dem die Seifenopern schweigen…

Anstelle der schrillen Seifenopern und Unterhaltungsshows, die für gewöhnlich das thailändische Fernsehprogramm dominieren, ist auf allen Kanälen plötzlich nur noch ein Standbild zu sehen. Zudem ertönen pompöse Hymnen, in denen abwechselnd Kinderchöre und klassische Sänger ihren Patriotismus bekräftigten. Alle 30 Minuten ist ein streng blickender Uniformierter zu sehen, der in einem kargem Raum sitzend, mit tiefer Stimme die immer gleiche Bekanntmachung vorliest.

Dieses wenig überzeugende Unterhaltungsprogramm stellt nichts anderes dar, als die Ouvertüre zu einem Militärputsch, dem mittlerweile 19. Putsch seit dem Ende der absoluten Monarchie im Jahre 1932. Die mit politischen Turbulenzen all zu sehr vertrauten Thais reagieren recht gelassen auf die sich überstürzenden Ereignisse. In sozialen Netzwerken wird gefordert, man möge die Texte zu den Liedern einblenden, dann könnte die verdrießliche Lage zumindest für spontane Karaokesessions genutzt werden. Es wurde bereits damit begonnen, Listen mit Musikwünschen anzufertigen, die an das Militär weitergeleitet werden sollen.

Andere verabreden sich zu gemeinsamen Einkaufstouren in den örtlichen  7-Eleven Supermärkten, da diese sich der Ausgangssperre anpassen und angekündigt haben, ihre sonst stets offenen Türen zwischen  22 Uhr und 5 Uhr morgens zu schließen.

Es bleibt zu hoffen, dass die Entscheidungsträger aller Parteien sich von dieser Besonnenheit und Gelassenheit anstecken lassen.

Der erste Schultag – Schlafen, zocken, hüpfen!

Ohne die Horden von schreienden, tanzenden und amüsiert herumalbernden Kindern, wirkt das Schulgebäude noch deutlich imposanter, größer und einschüchternder als bei meinen vorherigen Besuchen. Ohnehin ließen die pompösen Kuppeln und Säulen eher auf einen Nachbau des Petersdoms als auf eine Schule in der thailändischen Provinz schließen. Zu allem Überdruss bin ich auch noch der einzige Mensch auf weiter Flur, was aber eigentlich  kein all zu großes Wunder ist, haben mich doch Nervosität, Unsicherheit und Selbstzweifel dazu angetrieben, den ausladenden Schulparkplatz dreißig Minuten vor der eigentlichen Zeit zu erreichen. Nach und nach treffen jedoch immer zahlreicher Lehrer an der Schule ein und je mehr meiner zukünftigen Kollegen freundlich grüßend an mir vorbeischlendern, desto stärker weicht meine innere Anspannung einer wachsenden Vorfreude auf das Kommende.

So richtig gut durchstrukturiert und produktiv ist der erste Arbeitstag zunächst nicht. Gelegentlich erreichen Teile des Arbeitsmaterials, der Wochenpläne und hauptsächlich auf Mundpropaganda beruhende Informationen zur Klassenverteilung das Lehrerzimmer. Die restliche Zeit wird von den Kollegen kreativ und eigenverantwortlich gestaltet. Es werden Urlaubserlebnisse ausgetauscht, Höchststände von Handyspielen übertroffen und das Schulsystem verflucht. Mein Sitznachbar zur Linken hat plötzlich aus großen Papptafeln erstelltes Arbeitsmaterial zur Hand. Ich denke noch, jetzt geht es wohl endlich los mit der konstruktiven Unterrichtsvorbereitung, da bemerke ich konsterniert, dass die Pappe zu einem Bett verfremdet wird. Es dauert nicht all zu lange und es ertönen leise doch nicht zu überhörende Schnarchgeräusche aus seiner Ecke.

Angesichts dieser vor Arbeitseifer überschäumenden allgemeinen Stimmung bin ich etwas unsicher, mein eigenes Verhalten betreffend. Einerseits böte sich die freie Zeit wunderbar dazu an mit der Vorbereitung der ersten Unterrichtsstunden zu beginnen. Andererseits lege ich auch keinen gesteigerten Wert darauf schon am allerersten Arbeitstag als unverbesserliche Streberleiche verschrieen zu sein. Ich versuche also einen Mittelweg einzuschlagen und streue in mehr oder weniger konzentrierte Arbeitsphasen, immer wieder auch ostentativ zur Schau gestelltes Spielen mit dem Smartphone ein.

Den unumstrittenen Höhepunkt des Tages stellt die Verteilung der persönlichen Unterrichtspläne dar. Während die Westler die Informationen ihres Arbeitsplans nüchtern bis zynisch zur Kenntnis nehmen, zeichnen sich insbesondere die philippinischen Kolleginnen durch besondere Begeisterung aus. Euphorisch klatschend und hüpfend feiern sie das Erreichen ihrer Wunschkombination und klatschen einander freudestrahlend ab. Laut meinem Plan soll ich von Montags bis Freitags ausschließlich chinesisch unterrichten. Eine gute Idee. Nachdem dieses Versehen glücklicherweise behoben worden ist, studiere auch ich meinen Plan und registriere mit Vergnügen reichlich Freistunden.

Eine Stunde früher als üblich wird mein erster Schultag schließlich mit der Anmerkung beendet, dass es nicht immer so entspannt zugehen werde. Im Großen und Ganzen mit diesem gemütlichem Einstieg zufrieden und gespannt wie es weitergehen wird, mache ich mich auf den Heimweg.

 

How do I reach these kids?

Aus gegebenem Anlass suche ich nach pädagogischen Vorbildern, bei denen ich mir für die bald folgende Lehrertätigkeit ein paar Kniffe abkupfern kann. Unter gründlicher Berücksichtigung aller ästhetischer, didaktischer wie moralischer Gütekriterien, bin ich zu einem klarem Ergebnis gekommen.

Verwirrte Motorradfahrer, verwunschene Tempel und das Crème Carameldesaster – Drei Tage in Siem Reap

In der Absicht die sagenumwobenen Tempelanlagen von Angkor endlich mit eigenen Augen begutachten zu können, besuchte ich vor kurzem für drei Tage Siem Reap in Kambodscha. Der Name Siem Reap bedeutet so viel wie „Ort der Niederlage der Siamesen“ und bezieht sich auf eine siegreiche Schlacht der Khmer gegen ein Heer Ayutthayas im 17. Jahrhundert. Dass auch ich hier eine empfindliche persönliche Niederlage würde erleiden müssen, konnte ich am Beginn meiner kleinen Reise noch nicht erahnen.

Die Stadt Siem Reap erstreckt sich zu beiden Seiten des gleichnamigen Flusses und verfügt, vor allem entlang des alten Marktes, über einige sehenswerte Überbleibsel der französisch-kolonialen Vergangenheit. Obschon der recht massive touristische Einfluss an kaum einer Stelle zu übersehen ist, versprüht die Stadt doch eine angenehme und entspannte Atmosphäre. Dieser Eindruck wurde durch die mehrheitlich wirklich zuckersüßen Menschen verstärkt, die fast alle sehr freundlich und hilfsbereit waren und nicht selten über außerordentlich passable Englischfähigkeiten verfügten. Auch in den Restaurants und im Hotel begegnete mir ausnahmslos nettes, höfliches und aufmerksames Personal, welches jedoch gelegentlich etwas zu bemüht und aufgeregt war. Nicht selten wirkte es so, als ob die komplette Belegschaft exakt einen Tag zuvor einen Kurs in korrektem Kundenumgang absolviert hätte und im Kopf immer noch Verhaltensregeln duchging.

Nach der Ankunft unternahm ich einen ersten kleinen Rundgang durch die Stadt. Hierbei passierte ich die üblichen Grüppchen von Motorrad- und Tuk-Tuk-Fahrern, die im Schatten großer Bäume, entspannt vor sich hindösend und plaudernd, auf Kundschaft warteten. Es folgte das traditionelle, sich ewig wiederholende monotone immer gleiche Spielchen. Sie riefen: „Sir sir, Tuk-Tuk sir“, woraufhin ich höflich antwortete: „Ich bedauere zutiefst, werter Herr. Leider habe ich derzeit keinen Bedarf an der von Ihnen offerierten Transportmöglichkeit. Ich möchte Ihnen aber dennoch vielmals für dieses derart reizende Angebot danken“ und ging weiter meines Weges. Am Ende der Gruppe stand ein junger Mann mit lustigem Schnauzer an sein Motorrad gelehnt, tief konzentriert und versunken auf sein Smartphone blickend. Als ich an ihm vorbeiging, schaute er kurz auf und rief nur halb anwesend, wenig motiviert aber deutlich hörbar: „Tuk-Tuk Sir“. Ich blieb kurz stehen, guckte erst ihn, dann sein Motorrad und dann wieder den jungen Mann verwundert an. Er folgte meinem Blick, begann schüchtern zu kichern und fragte schließlich: „Motorbike Sir“?

Da die Tempeltour morgens früh um 5 beginnen sollte, verbrachte ich den Abend wenig spektakulär bei einheimischem Bier und Curry und ging früh schlafen.

Die beiden Tage, die ich kletternd, schwitzend und vor allem staunend in den weitläufigen Tempelanlagen verbrachte, übertrafen dann meine ohnehin schon hohen Erwartungen. Angefangen bei den prächtigen Pagoden, die sich zart beleuchtet durch das Morgenlicht im Seerosenteich spiegelten, über die riesigen steinernen Gesichter, die erhaben auf die Landschaft und die wuselnden Touristenscharen herabblickten, bis hin zu den unglaublich detaillierten Steinreliefs und Skulpturen. All das war wirklich derart beeindruckend, dass ich die Massen an chinesischen Reisegruppen, deren Mitglieder sich unter zur Hilfenahme aller Gliedmaßen, in völliger Ignoranz anderer Besucher, ihren Weg durch die Warteschlangen bahnten, beinahe ignorieren konnte.

Besonders imposant waren die kleineren etwas weniger überlaufenen Tempel, bei welchen der Zahn der Zeit und die Natur ihre Spuren hinterlassen hatten. Zum Teil stark zerfallen, von Moos bedeckt und überwachsen und durchdrungen von den Wurzeln großer Bäume, offenbarten diese Tempel eine verwunschene, beinahe mystische Atmosphäre. Stundenlang zwängte ich mich durch enge Gänge und verbogene Tore und balancierte an Mauerüberresten vorbei. Beinahe fühlte ich mich wie Harrison Ford auf der Suche nach verlorenen Schätzen, doch machte der sehr freundliche Tuk-Tuk-Fahrer, der geduldig am Ausgang jedes Tempels wartete und mich bequem zum nächsten Abenteuer kutschierte, jedes Indiana-Jones-Gefühl zunichte.

Am Abend meines letzten Tages in Siem Reap ereignete sich die bereits angedeutete ganz persönliche Niederlage. Ich hatte mich für ein kleines gemütliches Restaurant direkt am Flussufer entschieden und bereute diese Wahl zunächst auch nicht weiter. Neben dem ganz passablem Anchor Bier bestellte ich ein vorzügliches Curry mit Fisch, der, so wurde mir versichert, noch des Morgens im nahen Tonle Sap See geplantscht hatte. Dann plötzlich, mein Herz begann abrupt zu rasen, entdeckte ich auf der Karte als Nachspeise Crème Caramel an Banane und Süßkartoffel. Ich dachte mir noch, das ist ja eine etwas mutige Kombination, aber nun gut, die werden schon wissen, was sie tun.

Nun sollte ich dazu sagen, dass mich mit dieser Nachspeise eine mindestens 25-jährige tiefe und innige Freundschaft verbindet. Einst an der wunderschönen Cote d’Azur kennen- und lieben gelernt, verloren wir einander niemals ganz aus den Augen. Und mochte auch die Zeit der Trennung manchmal Monate oder gar Jahre dauern, stets fanden wir wieder zu einander. Dieses wahrlich köstliche Nachspeisengedicht aus Ei, Milch und Zucker funktioniert bei mir wie eine Art Raum-Zeit Portal, welches mich direkt in ein Paraleluniversum der kulinarischen Glückseligkeit meiner Kindheit katapultiert.

Es mag also sein, dass meine Erwartungshaltung etwas übertrieben, unrealistisch und vielleicht sogar auch unverschämt war. Dennoch empfand ich das, was mir nun bald als vermeintliche Crème Caramel kredenzt wurde als eine maßlose Beleidigung meines Gaumens, eine niederträchtige Frechheit sondergleichen. Auf dem Teller vor mir lagen vier Stücke trockene Kartoffel und zwei kleine Bananen, die mit etwas braunem Zucker benässt worden waren. Von Crème Caramel keine Spur! Am liebsten hätte ich der Bedienung den Teller vor die Füße gepfeffert und wäre wutschnaubend aus dem Lokal gestampft. Doch der junge Mann guckte so nett und unschuldig, während er mir diese Anmaßung servierte, dass ich meine Wut mitsamt der trockenen Kartoffel und reichlich Bier hinunterwürgte. Tief enttäuscht ging ich bald darauf zu Bett und beschloss, mich langsam in den Schlaf schluchzend, diese Stadt ja dieses Land nie wieder auch nur mit einem Zeh zu betreten.

Kambodscha muss in dieser Nacht von meinen bitteren Gefühlen erfahren und beschlossen haben, sich bei mir in aller Form zu entschuldigen. Denn am nächsten Tag entdeckte ich, nur Minuten vor meiner Abreise, eine kleine unscheinbare Bäckerei, die vielerlei Köstlichkeiten im Angebot hatte, die ich eher in einem kleinem französischem Dorf oder den Requisiten des Films Chocolat vermutet hätte. Ich entschied mich für zwei kleine Tartes, eine mit einer Nougat Creme und eine mit Apfelstücken belegt. Der Teig schmeckte leicht zimtig und ging zusammen mit der Füllung eine himmlische Melange ein, die mich die Crème Caramelpleite beinahe vergessen ließ. Mit diesem vorzüglichem Proviant im Gepäck ging es wieder gen Thailand und ich beschloss, Kambodscha seinen groben Schnitzer zu verzeihen und in der Zukunft eventuell eine zweite Chance zu gewähren.

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Den Lehrer im Blut

Ich stehe in einem Modegeschäft in einem Bangkoker Einkaufszentrum. Vor mir vier junge Thais, die scheinbar fasziniert an meinen Lippen kleben, während ich, wild gestikulierend und voller Eifer, versuche ihnen die Grundsätze der deutschen Sprache näher zu bringen.

Wir scheinen das Hier und Jetzt vollkommen hinter uns gelassen zu haben und in völlig neue Rollen geschlüpft zu sein. Ich habe den Körper des Kunden verlassen, der den Laden erneut betreten hatte, in der Absicht in den kurz zuvor erstandenen Gürtel einige Löcher ergänzen zu lassen, nachdem eine kurze Anprobe in einer nach Mango duftenden Toilettenkabine ergeben hatte, dass meine Körpermasse, trotz übermäßigem Konsum thailändischer Köstlichkeiten, immer noch nicht ausreichte, um das zu großzügig bemessene Volumen des Gürtels auszufüllen und habe stattdessen die Rolle eines Deutschlehrers angenommen.

Meine vermeintlichen Schüler wiederum haben ihre alten Identitäten der recht freundlichen, jedoch leicht übermotivierten wie anhänglichen Verkäufer abgelegt und sind zu wissbegierigen Strebern mutiert, die mich durch ihre fundierten Sachfragen nur immer weiter dazu anstacheln, mich vollkommen meiner neuen Rolle hinzugeben. Es hätte wahrlich nicht viel gefehlt und ich hätte wieder angefangen von Wurst essenden Hunden zu schwadronieren.

Entweder die jungen Herrschaften sind wirklich interessiert an meinen Ausführungen und wir haben uns zu fünft in ein Paralleluniversum des Lehrens und Lernens begeben oder sie sind am Ende doch nur ausgebuffte Verkäufer, die durch ihr zur Schau getragenes Interesse zu überdecken versuchen, wie ungeschickt sich ihre Kollegin bei dem Versuch anstellt, den Gürtel durch ein neues Loch etwas enger zu bekommen. Sage und Schreibe fünf mal ist sie davon überzeugt, nun aber die richtige Größe gefunden zu haben und muss sich nach einer wiederholt gescheiterten Anprobe, zunehmend verzweifelt, erneut ans Werk machen.

Von solch kleinen Unterbrechungen lässt sich ein erfahrener Pädagoge, für solch einen scheine ich mich offensichtlich tatsächlich gerade zu halten, doch noch lange nicht aufhalten und ich fahre wenig beeindruckt mit meinem Unterricht fort.

Ich bin mir später gar nicht mehr sicher, wie lange dieses irritierende Schauspiel gedauert haben mag. Waren es nur einige Sekunden, mehrere Minuten oder gar Stunden?

Ich verlasse schließlich, mit einem nun passendem Gürtel im Gepäck, sehr verwirrt und mit schnellen Schritten den Ort des Geschehens. Zwei Erkenntnisse nehme ich aus diesem groteskem Erlebnis mit.

Erstens: Dieses Lehrerding ist wohl tiefer in mir verankert als gedacht und nimmt langsam beunruhigende Ausmaße an.

Zweitens: Unter keinen Umständen werde ich dieses Geschäft noch einmal betreten, all der fabelhaft schönen Hemden und Hosen zum Trotz. Verflucht sei es!

„Der Hund isst eine Wurst“. Die beste Deutschviertelstunde die Bangkok je sah…

Es ergab sich für mich eine unverhoffte Gelegenheit, meine möglicherweise verborgenen Qualitäten als Deutschlehrer zu offenbaren und mich an einer Schule vorzustellen. Neben einem sehr angenehmen Gespräch mit dem Direktor und einer gemütlichen Runde durch die Räumlichkeiten der Lehranstalt, gehörte zum Rahmenprogramm, dass ich, freilich ohne jede Form der Vorbereitung, spontan eine Probestunde gestalten sollte.

Nun ist es so, dass man als Lehrpersonal eine gewisse moralische wie ethische Verantwortung übertragen bekommt. In der unseren verkommenen Welt, die fortwährend schneller, komplexer und unverständlicher wird, brauchen junge Leute gewisse Werte und Normen, an denen sie sich orientieren können, die ihnen Halt und Orientierung verleihen. Im tiefen Bewusstsein der Tragweite meiner Handlung, wollte ich den Schülern eine Botschaft mitgeben, an der sie sich aufrichten könnten und die ihnen als Leuchtturm in ihrem weiteren Leben dienen sollte.

„Der Hund isst eine Wurst“. Diesen Satz, ach was sage ich, diese frohe Botschaft kritzelte ich an die Tafel und ließ sie von den thailändischen Schülern mehrmals im Chor wiederholen. Gehorsam, naiv und pflichtbewusst wie sie nun einmal sind, folgten sie meiner Aufforderung ohne den abstrusen Irrsinn meiner Worte zu durchblicken. „Der Hund isst eine Wurst“, schallte es immer wieder laut und deutlich durch den Klassenraum. Wären wir hinaus auf die Straßen der thailändischen Hauptstadt marschiert, die Mengen wären uns gefolgt, wir wären eine Bewegung geworden. Bevor ich jegliche Pläne dieser Art in die Tat umsetzen konnte, läutete es, die Stunde war vorbei und die Schüler erlöst.

Als Sahnehäubchen dieser Geschichte, quasi der Senf auf der Wurst, wäre noch hinzuzufügen, dass meine kleine Hundegeschichte dem Direktor durchaus gefallen hat und meine Aussichten auf den Job nicht schlecht standen. Doch leider verfolgt die Verwaltung der Schule eine strikte „Kein-Fleisch-Politik'“, weshalb ich und meine Lehrmethoden als nicht opportun erschienen.