Babylon im Lehrerzimmer

Die ausländischen Lehrkräfte an meiner Schule sind in einem separaten Bereich untergebracht und auf zwei Lehrerzimmer verteilt. Das Lehrerzimmer, in dem sich auch mein Pult befindet, beherbergt „Pädagogen“ aus insgesamt acht verschiedenen Ländern.

Die größten Gruppen machen die zynischen und aus Prinzip mit allem unzufriedenen US-Amerikaner, die stillen, höflichen und stets unter sich bleibenden Chinesen sowie die immer gut gelaunten Filipinos aus. Hinzu kommen noch ein Pole, ein Engländer, ein Schwede, ein Schotte und ich.

Obgleich alle Insassen dieses Raumes der englischen Sprache mehr oder weniger mächtig sind, was an einer bilingualen Schule auch zu erwarten wäre, herrschen doch elementare, kaum überbrückbare Sprachbarrieren. Denn acht verschiedene Nationalitäten sind in diesem Fall gleich zu setzen mit mindestens acht unterschiedlichen Arten englische Wörter auszusprechen, zu betonen oder gar zu interpretieren.

Ein reines Vergnügen ist es beispielsweise eine Konversation zwischen dem Schotten und den Amerikanern zu verfolgen. Kein Satz, auf den nicht eine Nachfrage erfolgt, kein Wort ohne Stirnrunzeln. Einfach köstlich. Es ist, als ob ein oberbayrischer Milchbauer in einer Postfiliale im Erzgebirge, eine Konversation über das deutsche Reinheitsgebot beginnt und als Antwort eine Schilderung der passiven Abseitsregel erhält.

Die kulturelle Vielfalt hat natürlich auch ihre kaum zu leugnenden Vorteile. Sobald die Mittagspause begonnen hat, ist der Raum erfüllt mit den Gerüchen unterschiedlichster Gerichte. Insbesondere die Chinesen und die Filipinos verköstigen dann selbst gemachte einheimische Speisen, von denen sie auch gerne gönnerisch etwas abgeben.

Die Europäer und Amerikaner wiederum erweisen sich als etwas genügsamer und verzerren zumeist von daheim mitgebrachte Brote. Sie verfügen dafür aber über umfangreiches Wissen über die besten Pizzerias und Bierbars der Stadt. Immerhin etwas.

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