„Der Hund isst eine Wurst“. Die beste Deutschviertelstunde die Bangkok je sah…

Es ergab sich für mich eine unverhoffte Gelegenheit, meine möglicherweise verborgenen Qualitäten als Deutschlehrer zu offenbaren und mich an einer Schule vorzustellen. Neben einem sehr angenehmen Gespräch mit dem Direktor und einer gemütlichen Runde durch die Räumlichkeiten der Lehranstalt, gehörte zum Rahmenprogramm, dass ich, freilich ohne jede Form der Vorbereitung, spontan eine Probestunde gestalten sollte.

Nun ist es so, dass man als Lehrpersonal eine gewisse moralische wie ethische Verantwortung übertragen bekommt. In der unseren verkommenen Welt, die fortwährend schneller, komplexer und unverständlicher wird, brauchen junge Leute gewisse Werte und Normen, an denen sie sich orientieren können, die ihnen Halt und Orientierung verleihen. Im tiefen Bewusstsein der Tragweite meiner Handlung, wollte ich den Schülern eine Botschaft mitgeben, an der sie sich aufrichten könnten und die ihnen als Leuchtturm in ihrem weiteren Leben dienen sollte.

„Der Hund isst eine Wurst“. Diesen Satz, ach was sage ich, diese frohe Botschaft kritzelte ich an die Tafel und ließ sie von den thailändischen Schülern mehrmals im Chor wiederholen. Gehorsam, naiv und pflichtbewusst wie sie nun einmal sind, folgten sie meiner Aufforderung ohne den abstrusen Irrsinn meiner Worte zu durchblicken. „Der Hund isst eine Wurst“, schallte es immer wieder laut und deutlich durch den Klassenraum. Wären wir hinaus auf die Straßen der thailändischen Hauptstadt marschiert, die Mengen wären uns gefolgt, wir wären eine Bewegung geworden. Bevor ich jegliche Pläne dieser Art in die Tat umsetzen konnte, läutete es, die Stunde war vorbei und die Schüler erlöst.

Als Sahnehäubchen dieser Geschichte, quasi der Senf auf der Wurst, wäre noch hinzuzufügen, dass meine kleine Hundegeschichte dem Direktor durchaus gefallen hat und meine Aussichten auf den Job nicht schlecht standen. Doch leider verfolgt die Verwaltung der Schule eine strikte „Kein-Fleisch-Politik'“, weshalb ich und meine Lehrmethoden als nicht opportun erschienen.

 

 

  1. ich finde in deutschlands fibeln sollte „der hund frisst eine wurst“ den abgedroschenen satz „fu ruft fara“ ersetzen. ich kann ihn nicht mehr hören. und „der hund frisst eine wurst“… ich meine das hat potential.

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