Die Beleuchtung der Tempelruinen

Ich saß fürchterlich transpirierend auf einer kleinen Wiese, hinter mir eine großflächige Tempelruine aus dem 11. Jahrhundert, vor und neben mir etliche vornehm gekleidete Thais.

Für mein Schwitzen gab es zwei Gründe. Erstens, es war fürchterlich warm. Zweitens, die Wiese war übersät mit wichtigen Persönlichkeiten, die ich alle nicht kannte, die ich aber keines Falls durch schlichtes Ignorieren ihrer Person brüskieren wollte. Ich beobachtete also andauernd meine Sitznachbarn und versuchte ihr Verhalten möglichst unauffällig zu kopieren. Ich stand auf, wenn sie sich erhoben und verbeugte mich in die Richtung in die auch sie ihren „Wai“ gezeigt hatten. Zudem machte ich mich noch kräftig über das vorzügliche Kuchen Buffet her, um einer halbwegs sinnvollen Beschäftigung nachzugehen.

Der Kuchen war grandios, soweit so gut, doch was war der Anlass dieses Festaktes? Warum hatte sich die gesamte lokale Prominenz Nakhon Pathoms hier versammelt? Und was um alles in der Welt hatte ich bloß hier verloren?

Dies war der Höhepunkt einer Initiative der Stadt Nakhon Pathom, in welcher die Tempelruinen, die bisher, weitestgehend unbeachtet von der Bevölkerung, vor sich hin vegetierten, wieder mehr in das Bewusstsein der Stadt gerückt werden sollten. Es hatte im vornherein schon einige kleinere Aktivitäten gegeben. So hatte beispielweise das National Museum Nakhon Pathom gemeinsam mit einigen Schulen der Stadt einen Tag lang das Gelände des Tempels von angefallenem Müll und wucherndem Unkraut befreit. Das National Museum Nakhon Pathom war auch der Grund weshalb ich hier eingeladen war. Es war ein kleiner Dank für meine Unterstützung beim „Thai Museums Day“.

An diesem Abend nun sollte, als feierlicher Schlussakt, eine Lichtanlage in Betrieb genommen werden, welche die Ruinen all abendlich beleuchten sollte.

Ein lokaler Politiker, von dem ich weder den Namen noch die Position kannte, der aber sehr wichtig sein musste, so eifrig war ihm zugenickt worden, hielt eine kleine Rede und drückte anschließend auf den entscheidenden Knopf. Von einem Moment auf den anderen wurden die Ruinen in ein helles Licht gehüllt.

Das Licht verlieh den Ruinen ein mythisches Antlitz. Bei Tageslicht war es ein unscheinbarer Berg aufeinandergestapelter Backsteine. Nun jedoch war schlagartig eine geheimnisvolle Zwischenwelt aus Licht und Schatten entstanden, welche geheimnisvolle Gänge und unschätzbare Schätze vermuten ließ.

Alles was Rang und Namen hatte drängte sich in der Folge vor die erleuchteten Ruinen, um für die angerückte lokale Presse für eine ausgiebige Fotosession zu posieren.

Ich ergriff die Gelegenheit um ein weiteres Mal das Kuchenbuffet ausgiebig zu begutachteten. Rang und Namen hatte ich nicht, aber noch reichlich Hunger.

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