James Bond für arme

Es waren keine 200 Meter mehr. Ich konnte die Fähre schon deutlich erkennen. Ich musste mich ein wenig sputen, dann würde ich sie schon noch erreichen, bevor sie ablegen würde.

Während ich so vor mich hin keuchte und versuchte mein Tempo zu halten, bemerkte ich, dass das Boot schon reichlich gefüllt war und sich offensichtlich kurz vor dem Ablegen befand. Also hieß es die Beine in die Hand nehmen und einen Endspurt einlegen. Ich lief also so schnell es das Reisgericht in und der Anzug an meinem Körper es zuließen.

Ich hatte es beinahe geschafft und war schon fast am Steg angekommen, als ich zu meinem Erschrecken feststellte, dass die Fähre sich bereits bewegte.

Als ich schließlich völlig außer Atem am Steg angekommen war, hatte das Boot bereits seine Fahrt aufgenommen, befand sich aber noch in meiner Reichweite. Die Dame, die für die Koordination des Ein- und Ausstiegs am Steg zuständig war, schien mir mit Hilfe von Handzeichen signalisieren zu wollen, dass ich es durch einen beherzten Sprung noch auf das Boot schaffen würde.

Meinte die das wirklich ernst? Die Fähre hatte sich inzwischen bestimmt einen Meter vom Steg entfernt und mir ihre Rückseite zugewandt, auf welcher sich zwar viel Reling aber kein Eingang befand.

Vor die Wahl gestellt mit einem missglückten Sprung ein unfreiwilliges Bad im Chao Praya zu nehmen oder etwa 20 Minuten auf die nächste Fähre zu warten, entschied ich mich nach kurzem Zögern für den Sprung.

Dieser gelang mir auch recht ordentlich und ich erreichte, nachdem ich noch mehr oder eher weniger elegant über das Geländer gerutscht war, doch noch die Fähre. Dort setzte ich mich, als sei nichts weiter geschehen, auf einen freien Platz und hoffte, dass meine Artistikeinlage kein allzu großes Aufsehen erregt hatte.

In Deutschland, so war ich mir sicher, hätte mein „Kunststück“ mindestens für ein paar keifende Worte der Stegbeamtin, böse bis vernichtende Blicke der anderen Fahrgäste und einen vor Wut schäumenden Steuermann zur Folge gehabt.

Hier blickte ich, zu meinem völligen Erstaunen, in einige lächelnde Gesichter, sah eine mir freundlich zuwinkende Dame am Steg und sogar der Steuermann drehte sich zu mir um und zwinkerte mir zu.

Meine Zirkusnummer hatte ihnen wohl gefallen. Verrückt.

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